August 9, 2008

Die gefuehlte Pest

Die Wendung mag ja einmal cool gewesen sein, aber der nicht tot zu kriegende Begriff "gefuehlte" in der deutschen Medien-Landschaft geht uns furchtbar auf den Sack.

Journalisten bemuehen "gefuehlte" immer dann wenn sie versuchen, einer subjektiven Einschaetzung oder einem Wunsch einen Funken Legitimitaet einzuhauchen. Dieses Konstrukt von semantisch Erbrochenem geistert nun schon seit einiger Zeit in journalistischen Texten herum ohne dass es jemanden zu stoeren scheint.

Beispiel: "Deutschland ist der gefuehlte Fussball-Europameister." Redakteur Egon Z. mag das so finden, stimmen tut es allenfalls in seinem Kopf. Oder: "Mit fast 90 ist Helmut Schmidt Deutschlands 'coolster Kerl' und gefühlter Bundespräsident."

Haeh?

Das Beispiel mit dem Fussball ist erfunden, das mit Schmidt erschien neulich online beim Berliner Tagesspiegel.

Das Wort "gefuehlte" als Adjektiv gibt es gar nicht, weshalb es in Nachrichten- und Reportage-Texten ueberhaupt nichts zu suchen hat. Auch in Glossen und Editorials zeigt das Teil eher des Autors Unvermoegen und nicht etwa die postmoderne Schreibe eines Augusten Burroughs.

Die Redaktion der Capital Morgenpost appelliert deshalb an die deutschen Kollegen: Bitte quaelt uns nicht laenger mit dem gefuehlten Schwachsinn.

Posted by Chefredaktion at 9:51 PM | Comments (0)