Seien wir doch ehrlich. Wir Rockmusikgeschädigten haben ein heimliches Ziel in der Erziehung: Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Altruismus. Keine verlogenen und charakterlosen Biester heranziehen, darum geht’s.
Wir freuen uns, wenn die lieben Kleinen nicht allzu ätzend werden. Aber für einen Menschen, der schon mit zehn Jahren schrille Gitarrenriffs auf der Luftgitarre schmetterte, sind das eben doch Nebensächlichkeiten. Wir freuen uns über ein ungeübtes und im typischen Kinderenglisch (das man bei „Deutschland sucht den Superstar“ leider auch bei Erwachsenen ertragen muss) vorgetragenes „Mother do you think they´ll drop the bomb?“, ein Mitsummen von Dave Mathews´ “Satellite“ beim Puzzeln, oder ein herrlich lässig dahingeschleudertes „Born in the USA“. Das lässt einen auch die verderblichen Einflüsse von „High School Musical“ ertragen.
Menschen wie wir sind vielleicht nicht die besten Pädagogen. Aber wenn wir sonntags morgens um halb sieben mit der Frage geweckt werden, „Papa, können wir noch mal Bruce Springsteen hören?“ dann kommt die Gewissheit, nicht gänzlich alles falsch gemacht zu haben.
So geschehen vor einigen Wochen.
Mit verschlafenen aber glänzenden Augen griffen wir zur frisch erworbenen, neuen CD „Magic“ -- und ernten ein Stirnrunzeln. „Nicht die, Papa. Die Alte!“
Imaginäres Stirnband um, auf den Stuhl und den Arm kreisen lassen: Born to run!