An Thanksgiving steht die Sonne für gewöhnlich tief -- schön zum Fotografieren. Nachdem sich Euer bescheidener Morgenpost-Redakteur am Donnerstag den Bauch mit Truthahn vollgestopft hatte, ging es zum frische Luft schnappen raus auf's Stoppelfeld. Selbige haben ihn schon immer ob ihrer kahlen Schönheit fasziniert. In Süd-Pennsylvania gab's zum Thanksgiving-Wochenende die ersten kalten Tage des Jahres, was zusammen mit stahlblauem Himmel eine nette Kulisse zum Knipsen abgab.
Ich bin beleibe kein guter Fotograf, doch es macht mir ungemein Spass. Beim Kauf unserer Kamera im Frühjahr diesen Jahres habe ich Wert darauf gelegt, dass das Teil mir eine grosse Vielzahl an manuellen Einstellungen ermöglicht. Nun habe ich endlich Zeit, etwas damit zu experimentieren. Nebenstehend ein paar Beispiele.
Manchmal fühle ich mich an meine Zeit als freier Mitarbeiter bei der Westfälischen Rundschau Lokalredaktion in Kreuztal erinnert. Da sind wir immer mit Notizblock und Fotoapparat bewaffnet über das Land gefahren und haben die Lokal-Nachrichten eingesammelt.
Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Tag als Reporter dort erinnern. Einer der Redakteuere fragte mich, was ich denn mal werden will. "Auslandskorrespondent," gab ich zurück. "Auslandslandskorrespondent," stöhnte er verächtlich. Die gehen, so sagte er, morgens einmal Kiosk vorbei, kaufen sich die aktuellen Tageszeitungen ihres Einsatzsortes, und fassen abends per Livezuschaltung die Meldungen "exklusiv" in der Tagesschau zusammen.
Oft fällt mir heute auf, dass das scheinbar zutrifft -- jedenfalls was die Auslandsnachrichten auf einigen deutschen Nachrichten-Web sites angeht.
Jedoch: Theoretisch kann sich jeder per Internet über das Geschehen zumindest in den gut vernetzten westlichen Ländern informieren. Wer regelmäßig einen Blick auf www.washingtonpost.com oder www.nytimes.com wirft, der bekommt aus erster Hand mit, was sich hierzulande so tut. Beispiel: Über die geheimen CIA-Gefängnisse -- ein Skandal, der gerade auch in Europa hohe Wellen schlägt -- wurde in der Form zuerst von der Washington Post berichtet.
Zum Wochenausklang gibt's heute ein paar Brocken News die diese Woche über den Schreibtisch Eures geschätzten Morgenpost-Redakteurs gingen. Wenn ich die Zeit finde, werde ich alle paar Wochen eine solche Sammlung vorstellen.
Seit Monaten eines der großen Themen im Department of Defense (DOD): "Stability Operations." Was das heißt? Wiederaufbau und Friedenserhaltung in einem von Krieg zerstörten Land, grob gesagt. Nachdem Präsident Bush die Kampfhandlungen im Irak im Frühjar 2003 für beendet erklärt hatte, findet sich das U.S. Militär einer organisierten Terror- und Guerilla-Miliz gegenüber, die das Land gezielt destabilisiert. Für einen solchen Konflikt sind besonders die Frontsoldaten der Army und Marines schlecht vorbereitet. Doch das Credo der letzten zwanzig Jahre -- Vorbereitung auf einen Panzerkrieg mit der Sowjetunion im Schauplatz Europa -- beginnt allmählich zu bröckeln. Pentagon und Aussenministerium bereiten sich intensiv auf vermehrte Einsätze vor, die Irak-ähnliche Zustände in künftigen Konflikten verhindern sollen. Zu langsam, urteilt ein heute veröffentlichter DOD-eigener Bericht. Verteidungsminister Donald Rumsfeld soll endlich entscheiden, wer im Pentagon die planerische Oberhand für "Stability Operations" bekommen soll, empfiehlt das Papier.
Das U.S. Energie-Ministerium will 200 tonnen hochangereichertes Uran aus der U.S.-Reserve entfernen, kündigte diese Woche Energie-Minister Samuel Bodman an. Das Material wird für den Bau von Atomwaffen benötigt. Seit dem Ende des kalten Krieges haben sich Russland und die USA auf eine Reduktion von waffenfähigem Nuklearmaterial auf die Hälfte der ursprünglichen Menge geeinigt. Von den abgezweigten 200 tonnen soll die Navy 160 tonnen erhalten um ihre Atomgetriebenen Flugeugträger und U-Boote zu befeuern, sagte Bodman. 20 tonnen sollen Verwendung in der Raumforschung finden, und die restlichen 20 tonnen werden für zivile Energie-Gewinnung bereitgestellt, sagte er. Die genaue Bestandsmenge an hochangereichertem Uran hält die U.S. Regierung geheim, doch die tonnenzahl dürfte in die tausende gehen, sagte uns diese Woche eine ausländische Quelle. Fast alles, was hierzulande mit Atomwaffen zu tun hat, fällt under das Ressort Energie, nicht Verteidigung.
Wie das Pentagon möchte auch die NATO das Zusammenspiel zwischen Militärs und zivilen Hilfsorganisationen und örtlichen Behörden im Rahmen von "Stability Operations" verbessern. Das NATO-Kommando "Allied Command Transformation" in Norfolk, Virgina, bastelt eifrig an neuen Konzepten dafür. Bespiel: In Budel, Holland, plant das Nordatlantik-Bündnis ein Schulungszentrum zu dem Thema. Letzteres läuft bereits in einer Art Testphase und hat Ende September einen Mini-Bericht zum Thema "Provincial Reconstruction Teams" fertiggestellt. PRTs sind kleine Teams aus Soldaten und Wiederaufbau-Spezialisten, die in Afghanistan für Sicherheit und funktionierende Infrastruktur sorgen sollen. Neun solcher Teams befinden sich zur Zeit in Afghanistan unter NATO-Führung.