Atlantic City ist so etwas wie das Las Vegas der Ostküste, oder das Krebsgeschwür derselben, oder beides -- wie man's eben sieht.
Eine Militärkonferenz verschlug mich für die letzten paar Tage an diesen trostlosen Ort in New Jersey. Eigentlich nett gelegen, auf einer kleinen Halbinsel im Atlantik, haben Stadtplaner hier die Dünen und Strände buchstäblich vergewaltigt um eine schier endlose Zahl Spielcasinos ans Wasser zu bauen. Dazwischen stehen verkommene, halb verfallene Häuser.
Bereits am Stadteingang überkommt Amber und mich eine beklemmende Trostlosigkeit -- trotz, oder vielleicht gerade wegen der gleissenden Leuchtreklamen überall.
Von unzähligen Werbeplakaten lächeln gutaussehende Damen und Herren in Abendgarderobe und Champagnerglas während sie sich am Spieltisch vergnügen. Die Realität ist weit dumpfer, wie Amber und ich nach einem Gang durch ein Casino feststellen.
An den endlosen Reihen von Glücksspielautomaten klebt ein Heer von ausgemergelten Senioren (teilweise im Rolstuhl) und verzockt den letzten Rest der kärglichen Rente. In dem Jammertal hört man nur das ohrenbetäubende piepsen und brummen der Automaten.
Bei unserem Rundgang nähert sich uns ein Casino-Mitarbeiter im schlecht sitzenden Polyester-Frack. "Will you be staying in town this afternoon?" Er macht eine einladende Geste in Richtung der Einarmigen Banditen. Wir machen uns schnell aus dem Staub.
Die Konferenz erweist sich für mich als absolute Zeitverschwendung. Die beiden höchsten Regierungs-Beamten, die eigentlich reden sollten haben kurzfristig abgesagt. Statt dessen spricht ein kleiner dicker Mann mit Schneuzer auf der Bühne vom Wandel in der Rüstungsindustrie. Ich schleiche ins Hotel zurück.
Die Gattin sitzt betrübt im Zimmer und starrt auf die scheußlichen Hotelfassaden vor unserem Fenster. Ich hatte ihr versprochen, dass sie hier dank drahtlosem Internet im Zimmer wie gewohnt ihrer Arbeit nachgehen kann. Jedoch, Internet gibt's hier nicht, und schon gar kein drahtloses.
Überhaupt sind die Hotels hier perfide darauf ausgerichtet daß die Gäste sich möglichst nicht im Haus beschäftigen, sondern die Unterkunft schnellstmöglich in Richtung der nächsten Spielhölle verlassen.
Nachmittags hat die Gattin genug. Ich bringe sie zum Zug.
Auf dem Rückweg zum Hotel bin ich im Bus von einer Horde Senioren umgeben, die beim Anblick der Casinos debil zu kreischen beginnen. Manche aus Freude, manche aus Schmerz, andere grundlos.
Ich rümpfe die Nase. Offenbar hat jemand hat in die Hose gemacht.
Der Busfahrer wünscht den Greisen beim Aussteigen "Good Luck" im "Taj Mahal." Ich wünsche mir nur noch ein Bett.
Schwer zum Knipsen, lecker zum Essen: Zu Saltimbocca di Pollo passt gut -- wie in diesem Bild -- Kartoffelgratin und drei Kanister Wein.
Wie oft haben wir nicht alle schon an der Pommesbude gestanden und uns über die ekelhaften Amateur-Fotos der fettglänzenden Bratwürste hinter der Theke amüsiert.
Food-Fotografie
nennt das der Angelsachse, und nach ein paar gänzlich misslungen Versuchen unsererseits ist unser Respekt vor diesem veritablen Handwerk gehörig gestiegen.
Foto-Qualität hin oder her, heute gibt es bei der Capital Morgenpost eine der Leibspeisen der Chefredaktion: Saltimbocca di Pollo
.
Zutaten:
Eine Tasse Mehl
Salz und Pfeffer
Zwei Hähnchenbrust-Filets
Einige Scheiben italienischen Prosciutto
(Schinken, halt)
Ein paar Salbeiblätter
Olivenöl
Eine handvoll Schalotten
ca. 300 gramm Champignons
Eine Tasse trockenen Weißwein
Eine halbe Tasse Hühnerbrühe
Butter
Petersilie
Zahnstocher
Zuerst die nebenstehenden Zutaten besorgen. Dann geht's los.
Mit einem scharfen Messer die Hühnerbrust-Filets in der Mitte trennen, dann jedes Stück horizontal -- wie ein Brötchen -- durchschneiden (Ziel: dünner machen). Dann mit einem Fleisch-Hammer die Stücke nochmal ordentlich flach prügeln. Am Ende sollte jede Scheibe
etwa acht milimeter dick sein.
Jede Scheibe Huhn nun mit jeweils einer Scheibe Schinken belegen, die etwa gleich gross sein sollte. Wer mag, kann darauf noch eine Scheibe Gruyere-Käse legen. Für Vegetarier nimmt man nur den Käse.
Dann noch auf jede Scheibe ein Salbei-Blatt legen.
Nun die Scheiben einmal zusamenklappen, so dass Schinken, Käse und Salbei innen sind. Mit drei Zahnstochern feststecken
Jetzt die Hühnchenstücke im Mehl wenden, dass vorher mit Salz und Pfeffer gewürzt wurde. Die Stücke zur Seite stellen.
Jetzt ist ein guter Zeitpunkt die Hühnerbrühe aus einem Brühwürfel aufzusetzen.
Die Schalotten in feine Scheiben schneiden; Pilze vierteln (in etwa Zwei-Markstückgrosse Stücke).
Das Öl in einer Pfanne heißmachen, und die Hühnchenstücke von jeder Seite einmal goldbraun anbraten. Bei Bedarf ordentlich drauf drücken, denn die Zahnstocher sind manchmal störend.
Nun die Schalotten und die Pilze in die Pfanne geben, und mitbraten, so etwa fünf bis sieben Minuten.
Weißwein und Hühnerbrühe dazu geben und bei großer Hitze auf die Hälfte reduzieren lassen. Am Schluss die (kalte) Butter in die Pfanne geben um die Soße etwas anzudicken.
Guten Appetit!
PS: Das Rezept gelingt übrigens besonders gut, wenn man die Saltimbocca di Pollo in unserer feuerroten, neuen Le Creuset
Pfanne kocht.