Nun, da ich ein seriöser Journalist bin, kann ich mich nur noch ernsthaften Themen zuwenden; sauber recherchiert, akkurat geschrieben, und ohne Meinungsmache. Damit scheidet die hiesige Politik aus und lässt nach strenger redaktioneller Prüfung eigentlich nur noch ein Thema zu: Unterhosen.
So begab es sich vor nicht allzu langer Zeit, daß ich ein Washingtoner Kaufhaus aufsuchte um dort - im Sinne standesgemäßer Bekleidung für ein Vorstellungsgespräch - ein gemeines Unterhemd käuflich zu erwerben, das mir als Schweißschwamm unter Hemd und Krawatte dienen sollte. Nun bin ich lange nicht mehr in der Herren-Unterwäsche-Abteilung eines Kaufhauses gewesen. Genauer gesagt seit meiner Geburt. Unterhosen erschienen immer wie von selbst in dem Kleiderschrank meines Kinderzimmers, regelmäig von meiner Mutter prokuriert. (Selbige leisten übrigens mir auch heute mit ihren lustig bunten Motiven noch immer wertvolle Dienste.) Wie dem auch sei, ich fand mich also in einer mir neuen Welt voll braungebrannter Muskelprotze, denen sowohl Muskeln als auch Sack aus allen Nähten der soeben erstandenen Unterbekleidung zu quillen droht.
Aus der Vielzahl der modischen Unterhemd-Schnitte ein Hemd im schlichten Ruhrpott-Feinripp-Stil herauszusuchen stellte sich als äußerst diffiziles Unterfangen heraus, doch nach einigem Suchen wurde ich fündig.
Wenn ich mir der Auswahl an UnterHEMD-Varianten nicht bewusst war, so war das Regal der UnterHOSEN für mich modisch sowieso eher Unbeleckten ein wahrer Augen-Öffner. Mit offenem Mund lief ich an den fantastischen Modellen vorbei und legte die mir am schönsten erscheinenden in meinen geflochtenen Einkaufskorb. Nebenstehend habe ich mal ein paar Fotos geschossen (zum Vergrößern bitte draufklicken), in denen ich mein Lieblingsmodell anhabe; kurz vor dem besagten Vorstellungsgespräch.
Das Teil ist schelmisch geschnitten, für den figurbetonten Mann. Wie geschaffen für mich, also. Frech, doch ohne übermütig daherzukommen; frei, doch mit der nötigen Portion kontemplativer Reflexion.
Ich kann diese Unterhose nur jedem wärmstens ans Herz legen. Gerade etwas korpulenteren Herren wird die sparsame Verwendung von Stoff und das raffinierte Riemensystem entgegenkommen. Doch das beste: Diese Unterhose macht erfolgreich! Den Job hab' ich jedenfalls bekommen.
Danke, Calvin!
In Washington DC einen guten Job zu finden ist schwer; und für einen Nicht-Amerikaner - wenn man den Statistiken glauben darf - gleich doppelt. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen befindet sich das Land in einer Rezession. Die paar Jobs, die neu vergeben werden sind zumeist "temp-jobs", solche also, bei denen es neben wenig Lohn keine Krankenversicherung und sonstige Leistungen vom Arbeitgeber gibt. Ausserdem stellen Amerikanische Unternehmen momentan wenige "Internationals" ein. Über die Gründe kann man spekulieren. Ein Grund könnte sicher sein, dass ein gewisser internationaler Argwohn von Seiten der Politik heruntergereicht wird.
Der Hauptgrund, warum es hier auf dem Arbeitsmarkt so schwierig ist, ist jedoch Konkurrenzkampf. Auf jede halbwegs anständige Stelle bewerben sich hunderte von top-qualifizierten Kandidaten. DC wimmelt geradezu von Schlauen. Denn: Wer hierher kommt, der hat grosse Pläne; meist in der Politik. Und so strömen die Überflieger und Multi-Linguisten der ganzen Nation in die Stadt am Potomac und berweben sich in höchst geistreicher Gesellschaft auf die hohen Regierungs- und Diplomaten- und Wirtschaftsposten, die zu vergeben sind. Nach einem erfolglosen halben Jahr versuchen sie es dann als in einer niedrigen Position, nach einem weiteren halben Jahr als Telefonist. Und werden oft dennoch abgelehnt.
Geistiger Überflieger bin ich ganz sicher nicht, doch neulich jedoch hatte ich zumindest ein glückliches Händchen. Aus einem verloren geglaubten Kontakt im News-Geschäft wurde noch einmal ein heisser Tip. Schnell zum Interview, zwei Schreibproben aufgesetzt, zack zack - vier Tage später ist Euer geschätzter Autor politischer Journalist. Puh!