Vor seinem Amtsantritt hatte George W. Bush noch gesagt, er wolle die zankenden Lager der Republikaner und Demokraten wieder vereinen und gemeinsam Politik machen. Heute, gut vier Monate vor der Präsidentschaftswahl, sind die Fronten verbitterter als je zuvor.
Politiker beider Seiten bemühen sich nicht unbedingt um Verständigung. Jüngstes Beispiel: Als sich der Senator Leahy (Democrat, Vermont) letzte Woche Vizepräsident Cheney in einer Pause im Plenarsaal des Senats nähert, führt der ihn mit den Worten Go fuck yourself
an. Cheney, sonst eher nicht für seine Dünnhäutigkeit bekannt, hatte sich darüber aufgeregt, dass die Demokraten die letzte Woche polemisch zur Halliburton Week
erklärt hatten. Damit wollten sie auf die Verwicklungen des Vizepräsidenten mit seinem ehemaligen Arbeitgeber und seiner politischen Position beim Entwurf eines neuen Energie-Gesetzes hinweisen. Anstatt sich für die Entgleisung zu entschuldigen, lässt Cheney am folgenden Tag verlautbaren, seine Verbal-Attacke auf Leahy sei lange fällig gewesen. Jetzt fühle er sich besser.
Der Comiczeichner der Washington Post
, Tom Toles (den ich übrigens ausgesprochen verehre), zeichnet ein paar Tage später folgende Weiterentwicklung dieser Argumentation. In seiner Bilderserie verliest Cheney folgende Kommentare:
No, I'm not sorry I told a senator to
Go f... yourself.I felt better after I said it.
It's the way this administration feels about him.
And how we feel about people who ask how our energy plan was made.
And people who question our decisions about the war.
And our statements about it.
And Democrats in general, and critics of any sort, also.
And most of the rest of the world, for that matter.
Now I feel even better.
Senator Leahy nahm den Affront übrigens recht gelassen hin. I think he was just having a bad day.
Vermutlich.
Wer, wie, als was wiedergeboren wird frage ich mich dank Günther neuerdings wieder öfters. Günther [Name von der Redaktion geändert] ist Chef bei meinem ersten temp engagement
im Rahmen meiner Washingtoner Büro-Expeditionen. Günther ist Buchhalter-Supervisor und eine Woche lang mein Gott. Er ist ein kleiner Mann mit grossem Ego; fahl vom Rauchen, nervös vom Kaffee.
Zum Totlachen: Der Film Office Space
nimmt die Amerikanische Büromentalität aufs Korn.
Unter Günthers Knute schauen wir Unter-Buchhalter bereits ab morgens halb zehn sehnsüchtig auf die Uhr. Meine Kollegen Unter-Buchhalter, das sollte ich hier nicht unerwähnt lassen, sind allesamt Kolleginnen mit allesamt mindestens fünfhundert Kilo Übergewicht. Die kommen morgens um acht ins Büro, quetschen sich in ihre Bürostühle, und stehen den ganzen Tag nicht wieder auf. Brauchen sie auch nicht, denn Günther geht alle zwei Stunden herum und verteilt dicke Stapel Papier zum Abarbeiten auf die Schreibtische. Wenn er bei mir vorbeikommt sagt er stets: Na, Capt'n? Alles groovy?
, was ich zu bejahen pflege. Na dann Rock'n'Roll
, sagt er und lässt einen dicken Stapel Kapitalanträge vom Typ AR-27b auf meinen Schreibtisch fallen. Ich lächle ihn gequält an und bemerke auf seiner von mir aus gesehen linken Lippenseite eine dunkelgraues Ekzem mit einer handvoll kleinen Bläschen. Er muss sehr viel rauchen.
Neuerdings bin ich Buchhalter. Zu der Ehre kam ich letzten Donnerstag. Mein Kumpel Mike hatte mir eine Job-Vermittlungsagentur hier in Washington empfohlen, die ihm einst einige Zeit lang ein paar ordentliche Gelegenheitsjobs (hier sagt man passend temp jobs
) verschafft hatte. Diese temp jobs
sind eine gute Chance, bei attraktiven Firmen einen Fuss in die Tür zu kriegen, und dienen in meinem speziellen Falle dazu, dass ich bei meiner schlussendlichen Jobsuche finanziell gesehen ein wenig mehr Ruhe habe. Ausserdem kommt vielleicht - so hoffte ich - bei meiner Prostitution durch Washingtons Büro-Landschaft die ein oder andere Geschichte herum.
Nun bin ich knapp eine Woche Buchhalter gewesen; und Geschichten habe ich bereits bis der Arzt kommt. Die nächsten paar kurzen Episoden stehen daher unter dem Titel: Unter Grottenolmen
.
Die EM in Portugal ist für mich so schnell vorbei, wie sie begonnen hat. Das Spiel gegen die Tschechen war das zweite und gleichzeitig letzte, das ich im Fussball-Nicaragua USA überhaupt zu Gesicht bekommen habe. (Das hiesige Goethe-Institut war so freundlich, die Partie in seinem Kino zu projizieren.) Ich hatte mich von meinem neuen Job (dazu später mehr) frühzeitig verabschiedet, hatte mich in mein BVB-Trikot gewandet und war eigentlich guter Dinge, dass Ballack und Konsorten das Ding schon schaukeln.
Bekanntlich schaukelten sie nicht. Und ich weiss auch, wer Schuld hat: Kevin Kuranyi. Da steht dieser Angriffs-Zerstörer nun seit drei Spielen im Sturm der Deutschen herum und versprüht so viel Torgefährlichkeit wie Feinripp. Nicht eine gefährlich Szene hatte der Mann. Da hätte Rudi auch Manni Bode spielen lassen können. Der ist wenigstens noch lustig anzusehen. Lahm war super, Ballack auch. Schweinsteiger - quirlig wie ein Ferkel - wurde leider kurz vor Schluss gegen Joker Jeremies ausgewechselt. Auch Frings (der mit dem anderen Tor für die deutsche Elf), durfte nicht durchspielen. Für ihn kam ein gewisser Herr Podolski ins Spiel.
Jedoch, es war durchaus kein langeweilige Begegnung. Die Deutschen waren klar besser, nur ging die Kugel nicht rein. Uns fehlen Stürmer. Für die WM 2006 in Deutschland (da wollen Amber und ich auf jeden Fall vor Ort sein) nominiere ich deshalb meinen Cousin Martin als hängende Spitze; ausserdem Jürgen Klinsmann, der für die langen Bälle über aussen zuständig ist.
Sprenger steil auf Klinsmann; der nimmt den Ball halbhoch mit der Brust mit und wämst das Leder oben rechts in den Giebel.
So geht's.

Fussballfans in den USA sind eine Minderheit. Aber es gibt sie. Alltäglich bevölkern sie zur Mittagszeit die Kneipen der Diaspora (solche, wohlgemerkt, die die EM-Spiele übertragen) und frönen ganz unter sich via TV ihrer Leidenschaft. Ausser den Amerikanern die nach Fusi dürsten gibt es natürlich auch eine Reihe von Europäern, die - aus welchen Gründen auch immer - derzeit hier weilen und sich das Geschehen in Portugal nicht entgehen lassen möchten. Ich bin so einer. Und als Deutscher klar in der Minderheit. Engländer hat's hier nach meinen Erfahrungen weit mehr als Festland-Europäer; vermutlich eher zufällig ganz konform mit den internationalen Affinitäten der Bush-Regierung. Und die Engländer sind momentan arm dran. Spiel gegen Frankreich fast im Sack gehabt, Elfer verschossen, Guten Tach Herr Zidane, Zack, Bumm, Ende. Die Englische Boulevardpresse ist untröstlich: "Ein Tritt in die Eier", befand der der Guardian
. So kann's gehen.
Ich selbst werde mir natürlich heute das Spiel gegen die Niederländer[sic!] ansehen. (Ui, jetzt hätte ich fast Käsköppe
gesagt.) Und ich tippe, dass Deutschland gewinnt. Das tippe ich eigentlich immer. Da werfe ich mit voller Absicht jeden Realismus zum Fenster raus. Besonders hier, wo meine Bezüge zu deutschen Symbolismen - man verzeihe mir diesen Ausdruck - eher rar gesät sind. Gary Lineker hat mal sinngemäss gesagt: "Fussball ist ein Spiel, bei dem 22 Mann ihr bestes geben, und am Ende gewinnt Deutschland." So kommt es hoffentlich auch heute. Meine Strategieempfehlung an unseren Bundes-Rudi: "Flach spielen, hoch gewinnen", und andere Mauer-Platitüden. Aus einer gesicherten Abwehr agieren und lange ohne Gegentor bleiben; wenn uns das gelingt gewinnen wir das Spiel irgendwie. Und unseren Olli Kahn muss man ja auch erstmal bezwingen. In diesem Sinne: Viel Erfolg nach Portugal.
New research suggests that mastering a number of languages may result in Multiple Personality Disorder. Or so.
In America, I should have a different name. Language has to do so much with identity that I deem it only fair that people call me Bill when I speak English. Or Bob. My problem is quite simple: I lack words. Only recently have I been exposed to the word vernacular
. That's a bad sign.
It is, however, not the mere ignorance of words that plagues me - after all, the English language has far more words than German, so it would be a hopeless undertaking to even learn a somewhat significant fraction - but it is that I lack a connection with them. I know what they mean, yes, but it seems that my lens is always a bit foggy when I lean over to inspect the details of their semantic anatomy. I know experience
merely like I know my next door neighbor, or skill
like the clerk in my bank. And don't even mention manager
; we've never met in person.
I communicate through acquaintances.
Not that this is entirely bad. You see, in my world of halfs
, semis
and pseudos
communicative rubbish just flies through me. Yes, I am able to hear it, but my brain doesn't connect the dots to make me actually understand. Such oblivion has its benefits. For example, I don't mind advertising any more. Especially car commercials on TV. By all accounts, these little 30-seconders should pose an intellectual insult to anyone outside of Texas. I, however, don't care. I dutifully shake Super Sale
's hand and bid it farewell without even knowing what the hell is going on.
A propos hell
. Operating with linguistic tools that just never seem to rightly fit your palm (or tongue, if you will) can be sociological disaster. German is a much more, let's say, rustic language. The Germans like to have strong opinions, and they like to express them strongly. Here, that's called cursing
.
I understand a fury in your words,
But not the words.
William Shakespeare
So, how closely are language and identity really connected? Does speaking another language than your mother tongue somehow alter your view of the things around you? Is language so important at all? I, for one, after several years in the US still feel a little impaired, compared to my German self. But then again, I could just be a whiner
.
I should watch more TV.