May 25, 2004

Nod, if you are with me

Zapfsaeule

When it comes to gas prices, we are all one big family. We love talking about it, and - better yet - we all agree. In times like these, such consensus is a precious commodity. Especially in this town. And I like to spread the love whenever I can. Complaining about the gas prices, I found, is like a Royal Flush in the poker game of small talk. And as a European, I have yet to master the art of the latter. While people will dodge a conversation about the elections or the war, a healthy "Boy, what about them gas prices", will get everybody going. Even more, you will enjoy an enourmous amount of admiration for your outstanding political insight. You'll be the center of attention. People will carry you on their hands. I highly recommend it.

The other day I was a guest speaker in my favourite hair salon. Michael was just about to trim my sideburns when I opened with an elegant "Man, driving past the gas station billboard sure makes me weep." All heads turned. I look around my listeners. "Don't you think?" The heads nod. I'm getting warmed up.

"Tell me about it", says Vivian who is getting a perm. "This is getting ridiculous." We stare into the void and nod in agreement. "What about them Arabs?", I ask. "They need to get us more oil." My geopolitical brilliance is greeted by a mumble of approval. I feel like Plato in a streetside speech. "Or the strategic oil reserve", I add. "Why not turn some of that into gasoline? I sure could use some of it!". We all sigh in collective bitterness. I own the room.

"What about hybrid cars?", Michael asks. He's done with my sideburns and has proceeded to the back of my head. "What about them, Sissy?" I ask. Mr. Tree-Hugger here is trying to play politics, eh? "I'm not driving those", says Jerry who is getting his gray covered up. "No thanks, me neither", agrees Norma from the products corner. Oh, the energy. We are all one family. I'm proud.

After leaving the shop, I head for the Metro to get back to town. You see, I am not a big car person. Heck, I don't even own one. But I love small talk.

Posted by Chefredaktion at 9:42 AM | Comments (0)

May 19, 2004

Im Keller tobt das Altertum

Skull

Das Smithsonian Museum of Natural History beherbergt etwa 30.000 Schädel aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte. Ihr Studium fördert oft haarsträubende Geschichten ans Licht.

Ehrenamtlich in der Presseabteilung eines weltbekannten Museums für Naturgeschichte zu arbeiten hat viele Vorteile. Einer davon ist der, dass man mit berühmten Wissenschaftlern aller möglichen Disziplinen ins Plaudern kommt. Und wenn man besonders nett fragt, dann bieten einem die Koryphäen persönliche Rundgänge durch ihre Labors und Artefakte-Sammlungen an.

Dieses Vergnügen genoss ich heute gleich zweifach. Zuerst zeigte mir ein Botaniker seine Studien über die Flora von Kamerun und Tansania, und anschliessend weihte uns ein physischer Anthropologe in seine Schädel- und Mumiensammlung ein. Letztere befindet sich im Keller des Museums, in einem speziell klimatisierten Tresorraum. In verschiedenen Schubladen liegen dort tausende von Jahren alte Überreste mumifizierter Agypter, Peruaner oder Inuits.

Wissenschaftlern zuzuhören ist für mich immer etwas besonderes. Vor allem diesem Herrn. Mit seinem Wissen über Knochen, Anatomie und Völkerkunde wird er oft vom FBI um Hilfe gebeten, wenn es um die Feststellung einer Todesursache oder die Umstände eines Mordes geht. Ob die Knochen 3000 Jahre oder 3 Tage alt sind - mit unglaublicher Zielsicherheit rekonstruiert der Mann Alter, Lebensgewohnheiten, Herkunft oder Leibspeise aus den Überresten seiner Funde.

Fast möchte man Mitleid haben mit dem im Kampf gefallenen Peruaner des 13. Jahrhunderts. Daumennagelgrosse Macken am ganzen Schädelknochen zeugen von bestlialischen Schlachten, an denen der Herr - nennen wir ihn Günther - beteiligt war. Und schliesslich steckt noch eine Pfeilspitze oberhalb des linken Ohrs, deren Wunde ihm vermutlich zum Verhängnis wurde. Zwar, so klärt uns der Anthropologe auf, haben offenbar noch Schamanen versucht, die Schädeldecke um die Wunde herum auszusägen, um die Knochensplitter aus der Hirnrinde entfernen zu können, aber Günther hat diesen Eingriff wohl nicht mehr überlebt.

Einem anderen Herrn aus dem 18 Jahrhundert sind mehrere Schwertstreiche zum Kopf zum Verhängnis geworden. Der erste stammt von einem Gegner zu Pferde, der mit einem gezielten Schwerstreich ein Scheibchen Stirn abgesäbelt hat. Ein sehr guter Hieb für einen Kavalleristen, wie ich erfahre. Denn die Kavallerie war einst angewiesen auf ihren Ritten durch die feindlichen Schlachtreihen dem Gegner nie ihre Waffe mittig in den Kopf zu treiben. In diesem Falle wäre die Klinge im Schädel stecken geblieben, und hätte dem Berittenen die Waffe aus der Hand gerissen.

Bei seinen Ausführungen über diese längst vergangenen Grausamkeiten bedient sich der Mann so gut er kann einer für und angemessen Laiensprache. Als er uns einen besonders schweren Kopftreffer an einem übel zugerichteten Schädel erklärt, verdeutlicht er, was bei solch schwerem Schädeltrauma passieren kann:

"Da sammelt sich dann grosse Mengen Blut unter der Schädeldecke an. Und wenn man dann nicht schnell den Knochen aufbohrt um den Druck zu lindern, dann schmurgelt das so vor sich hin bis irgendwann ein schneller Nerventod eintritt."

Ab sofort gehe ich nur noch mit Helm vor die Tür.

Posted by Chefredaktion at 10:05 AM | Comments (0)

May 4, 2004

Expeditionen ins Tierreich

Von allen "Volunteer"-Stellen ist es möglicherweise die beste überhaupt. Jedenfalls für mich. Geld gibt es auch hier nicht (ich darf ja nicht für Geld arbeiten), aber keine Frage: Es ist das interessanteste, was ich je gemacht habe. Neuerdings helfe ich in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Smithsonian Museum for Natural History aus.

Leicht dranzukommen war die Sache nicht: Ich musste mich zweimal einem Gespräch unterziehen und war einer unter mehreren Kandidaten. Aber letzten Mittwoch kam die gute Nachricht: Ich bin drin! So habe ich also flugs an einer Einführungsveranstaltung teilgenommen und mir meinen Volunteer-Pass abgeholt, der mir Zutritt hinter die Kulissen gewährt. Gestern sitze ich an meinem Arbeitsplatz und höre zu, wie Geschichten über neueste Forschungen in Sachen Dinosaurierknochen, mongolische Grabstätten oder Fossilienfunde im Amazonasbecken durch die Luft schwirren. Allein vom Zuhören wird mir schwindlig. Schliesslich schnappe ich mir ein wissenschaftliches Papier über das bevorstehende Schlüpfen von mehreren hundert Millionen Zikaden in unserer Region (ein Phänomen, das sich übrigens nur alle 17 Jahre vollzieht) und beginne damit, den Jargon in eine Pressemitteilung zu verwursten.

Die Smithsonian Institution, muss man wissen, ist die wissenschaftliche Institution der USA schlechthin. Und das Musem für Naturgeschichte - übrigens eins von etwa einem Dutzend Museen der Stiftung - ist mit ca. 8 Millionen jährlichen Gästen das meistbesuchte Museum der Welt.

Und ich mittendrin.

Posted by Chefredaktion at 9:25 AM | Comments (0)