January 27, 2004

Deutsche in Amerika

A Wienerwurst with every drink
We Germans are simple folk. It doesn't take much to lure us in.
A greatly underpublicized, but nevertheless large group of early immigrants, now gets their place in the sun: These days, a four-part TV series about German Americans is being filmed in Germany by Engstfeld Filmproduktion (www.engstfeldfilm.de). I have had the opportunity to participate in the promotion of this exquisite piece of documentary TV by producing a folder for the folks at the Goethe Institut Washington who are trying to win a Public Television station over to air the program here in the US. Thanks to my buddy Alex (with www.hzdg.com) for helping me out with the design of this piece, especially considering the tight schedule we were under.

On another note: "Along came Polly" has recently hit the movie theaters. If you don't mind hearing about all sorts of bodily functions, this movie is so funny, it will make you shart your pants. Philip Seymour Hoffman is in it, so it's gotta be good. And he - by the way - coins the term "shart". Enjoy!

Posted by Chefredaktion at 3:56 PM | Comments (0)

January 22, 2004

Erster Preis für Maden-Vermeidung

Ich weiss noch, wie ich mich wie ein Schneekönig auf Samstag abend gefreut habe. Frank Elsner lud alle paar Wochen um zwanzig Uhr fünfzehn zu "Wetten dass..." ein, und die ganze Familie schaute zu. Ich im Schlafanzug.

Heute, fünfzehn Jahre später ist das im Prinzip immer noch so. Allerdings: Frank Elsner ist nicht mehr dabei, mein Schlafanzug ist ein paar Nummern grösser, und einen neuen Namen hat das ganze TV-Spektakel auch bekommen: Reality-TV. Und das treibt bisweilen groteske Blüten. Während sich in Deutschland die Kandidaten in Särge mit Schlangen und Spinnen legen müssen (wie ich im Spiegel lese), legen die Amerikanischen Reality-Sternchen noch einen drauf: Sie hauen sich derlei Ungeziefer gleich zum Essen rein. Oder noch schlimmeres.

So sitze ich neulich beim geistlosen durchzappen durch die Programme vor unserem Mini-Fernseher und schaue -- eher zufällig -- "Fear Factor". Oder besser gesagt "Couple Fear Factor", dem baugleichen Derivat für Paare. Dabei müssen Kandidaten-Paare Aufgaben lösen, die sich irgendwo im Spannungsverhältnis von Stuntman und Ekel bewegen. Eine Million Dollar gibt's für die Gewinner.

"Stuntman ist abgegriffen, Ekel ist neu", dachten sich vermutlich die Produzenten und setzen vermehrt auf Entertainment an der buchstäblichen Kotzgrenze.

Hier zwei Aufgaben, die es mir so angetan haben, dass Amber und ich sie spontan nachinszeniert haben. Zuerst die leichte :

Kuhherzen mit dem Mund aus Kübeln mit Gewebeschleim fischen und (ebenfalls mit dem Mund) in einen anderen transportieren. Wer in der Zeit die meisten schafft, gewinnt. Pah, einfach!

Jetzt die schwere und ungleich kompliziertere. Also aufgepasst. Stellt euch vor, ihr steht vor einem Campingtisch im Freien. Auf dem Tisch sind verschiedene "Pies", also Fruchttorten mit Teigbelag, aufgestellt. Aber - ihr habt es schon geahnt - das sind keine gewöhnlichen Pies. Der Belag besteht -- so verkündet der Moderator GI Joe -- aus in Teig gebackener Magen- und Gallen-Flüssigkeit. Nach der Tour mit den Kuhherzen müssen die Kandidaten an dieser Stelle allenfalls müde lächeln.

Nun zum Inhalt der fruchtigen Teilchen. Es gibt jeweils ein Küchlein mit folgenden Inhaltsstoffen:

  • fette, weisse Maden
  • Schweinemagen
  • Entenzungen [sic!]
  • vergammelter Fisch

Nun zu den Regeln. Du und Dein Partner müsst jeweils mit dem Mund in den Pies herumwühlen, bis ihr zwei tief darin versteckte Münzen ausfindig gemacht habt. Die müsst ihr dann mit dem Mund in Ziel-Gefäss bringen.

Made
Geschuettelt, nicht geruehrt: Ein paar handvoll Maden - fachgerecht püriert - ergeben einen schmackhaften Cocktail.

Das war der komplizierte Teil. Jetzt wirds simpel: GI Joe betätigt lässig einen Schalter an einer Küchenmaschine. In selbiger befindet sich nach einigen Rotationen der Mühle eine dunkelweisse Masse aus eben den vier oben beschriebenen Ingredienzien. So etwa zwei Liter. Das ganze wird nun in ein übergrosses Coktailglas geschüttet. Es klumpt ein wenig. Ja, und dann müssen sich die Kandidaten den nahrhaften Brei mit zwei dicken Strohhalmen möglichst schnell reinsaufen.

Und das tun sie auch. Zumindest versuchen sie es. Denn nicht wenige der ambitionierten Millionäre haben Schwierigkeiten; trotz der gutgemeinten Ratschlägen der anderen Kandidaten: "Suckit down", "Don't puke".

Ein sonnengebräunter Muskelprotz speit erst kleine weisse Breispritzer auf seine Freundin und muss anschliessend voll kotzen. Er wird sofort von GI Joe disqualifiziert. Von heftigem Würgreiz geplagt und mit schwerem Atem beschuldigt er anschliessend seine Liebste, sie habe gar nicht getrunken, sondern nur so getan. Sie lächelt ihm ins verschleimte Gesicht und sagt ganz selbstverständlich: "Hey, I wasn't not going to drink this!"

Das ist Entertainment. Und schlau.

Posted by Chefredaktion at 10:40 PM | Comments (2)

Antje und Clara in Abschiebehaft

Da werden Erinnerungen wach: Der Spiegel online bringt eine Geschichte ueber eine Deutsche, die mit Baby von den Beamten des INS drangsaliert wurde.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,282986,00.html

Posted by Chefredaktion at 8:19 AM | Comments (1)

January 19, 2004

"Wie eine Turnstunde in der sechsten Klasse"

Es ist kurz nach 18 Uhr. Eigentlich wollte ich hier im Cafe Murky Coffee eine kurze Geschichte zu den sogenannten Caucus Elections schreiben, die gleich um 18:30 im Bundesstaat Iowa stattfinden.

Nach der durchaus empfehlenswerten Lektüre des Regelwerks (siehe Kasten) habe ich jedoch beschlossen, dies den Profis der Washington Post zu überlassen. Die Regularien der Wahl - oder besser gesagt - das ländliche Agrarspektakel sind mir dann doch etwas zu fremd, als dass ich ad-hoc etwas qualifiziertes dazu schreiben könnte. Nur so viel sei gesagt: Wer nach 19:00 Uhr kommt, kann nicht mehr teilnehmen. Und etwas von Pferden zu verstehen kann auch nicht schaden.

Posted by Chefredaktion at 6:13 PM | Comments (3)

January 16, 2004

Nachhilfe für den Wahl-Berichterstatter

Der Form halber hier eine kleine Richtigstellung. Oder besser gesagt zwei: Ich hatte berichtet, die Wahlbeteiligung bei den DC Primaries habe zehn Prozent gelegen. Ausserdem sei der Sieg von Howard Dean über den Afro-Amerikaner Al Sharpton zumindest ein kleines bischen bemerkenswert, weil dadurch deutlich geworden sei, dass Dean auch in der Lage ist, die Afro-Amerikanische Bevölkerung hinter sich zu versammeln.

Beides, so klärt die Washington Post nun auf, ist falsch. Die Wahlbeteiligung lag in Wahrheit bei 16 Prozent, und Dean ist bei seinem Sieg in der Hauptstadt-Wahlfarce nicht von Schwarzen gewählt worden, sonder fast ausschliesslich von Weissen.

Kleine Wahlnotiz am Rande: Gestern, vier Tage vor der Wahl im Staat Iowa (der ersten - ähem zweiten - Wahl der Bundesstaaten), ist die schwarze Chicagoer Juristin Carol Moseley Braun offiziell als Kandidatin zurückgetreten und hat ihre Unterstützung für Howard Dean verkündet. Das werden wir bei den kleinen Kandidaten, die nicht reell eine Chance haben, in den nächsten Wochen vermutlich öfter sehen.

Eine weitere kleine Wahlnotiz: Nun ist herausgekommen, dass mit den Wahlbroschüren, die das Wahlamt vor den Primaries zu verschicken pflegt, etwas schief gelaufen ist. Leute berichten, dass das Pamphlet zwar bei ihnen ankam; allerdings erst einen Tag nach der Wahl.

Posted by Chefredaktion at 3:39 PM | Comments (0)

January 15, 2004

Of visionaries and visions

Bush has proposed his new space program: building a permanent presence on the moon and eventually sending humans to Mars.

And the way it was presented (with the appropriate pomp and circumstance, of course) follows the same subtle pattern that defines how he treats opposition in general: "you are either with us, or with the terrorists". Scratch the last part and replace it with "or you have no vision" or "you are not a patriot", "you are simply stupid" or "we aren't even sure you are human". For after all, so he announces profoundly, exploring is what being human is all about. Well, thanks for the reminder.

And with rhetorics like that, here is what happens: public debate in general gets a bad name. Who now would dare to publicly question the value of such an undertaking when the first argument you encounter is of such epic proportions such as "What, you are against exploration"?. Change the context, scratch that last part and replace it with "What, you are against freedom"? or "What, you are against national security"?. You get the point.

Vision, anyone?
From the streets of DC to Mars. Analysts believe the idea of the new space exploration program is likely to have been born in the homeless community of the nation's capital
Now, I am not going to get into the "there are visions to tackle here on Earth first" debate. Although that is most certainly true (and -- at the present time -- cannot be stressed enough), I am a proponent of space exploration, as well. At least in principle. But I am also a proponent of public debate in America, and the principle of "everthing in due time". And what I see here is just another example of just how disconnected the current political class in America is from just that. Aside from the fact that the space initiative smells largely like a calculated measure in the coming election, the putting of it on the plate at this time is nothing other than saying: 'Today, I have nothing else to offer to you than my vision of 2020. But make no mistake, I do have a vision. And you are either with the visions or against them'. Or with television. Or both. End of discussion.

Oh right, the cost of all this. Actually, it's a bargain. Just one billion dollars more than NASA was going to spend anyway. But here's a secret: When we get the military on board, we'll make this whole thing a matter of national security. And then, my friends, we can pump some real money into this. Because who will dare to hold anyone accountable? Your are, after all, for national security, right?

And what if the whole Lunar-Mars enterprise doesn't work out in the end? Well, we can always blame the French.

Posted by Chefredaktion at 11:18 AM | Comments (1)

January 14, 2004

"I voted" - und zwar schon gestern

Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig, dachten Amber und ich uns gestern auf dem Weg zum Wahllokal auf der "East Capitol Street". In der ganzen Publicity um die bevorstehendenden Primaries in den Staaten Iowa und New Hampshire war eine Sache nahezu in Vergessenheit geraten: die allererste Primary-Wahl war hier in Washington DC, und zwar gestern.

Schon im Vorfeld war klar: Die Wahlhelfer werden eine äusserst ruhigen Tag verleben. Doch wie ruhig es wurde, das konnten selbst die Analysten nicht vorhersagen. Mit einer Wahlbeteiligung von um die 10 Prozent haben sich die DC Primary Elections wahrhaft zur Farce degradiert. Problem ist: Der District of Columbia ist de facto kein Staat. Er hat zwar im Kongress einen Repräsentanten, doch der hat allenfalls das Recht zu existieren. Abstimmen und Mitmischen darf er nicht. Immer wieder tauchte in der Vergangenheit diese Problematik in den Medien auf, dass eine halbe Million Einwohner des Landes (dazu noch: in der Hauptstadt) in Sachen politischer Mitbestimmung auf Staatenebene zum Zuschauen verdammt sind. Doch geändert hat sich an DC's Sonderstatus nichts. So war die Wahl gestern auch ein wenig Protestveranstaltung, bei der die Bürger des Districts ihre Wahlbereitschaft kundtun konnten. Das Ergebnis war eine Gähnveranstaltung erster Klasse. Jedenfalls was die politische Relevanz angeht. Kleine micro-Analysen lassen sich dennoch anstellen. Howard Dean, so zeichnet sich derzeit ab, hat die Wahl knapp vor dem afro-Amerikaner Al Sharpton gewonnen. Und das ist in dem schwarz-dominierten Wahlbezirk DC eine Erwähnung wert. Schreibt jedenfalls die Washington Post.

Für uns war's eher ein entspannender Abendspaziergang auf dem Capitol Hill, der als Erinnerung an die DC Primaries 2004 bleibt. Und wie gesagt: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Amber machte ein Kreuzchen bei ihrem Kandidaten und nahm einen Aufkleber von der Wahlhelferin entgegen, den sie mir postwendend auf die Jacke klebte: "I voted". Naja, zumindest habe ich zugesehen.

Posted by Chefredaktion at 10:12 AM | Comments (1)

January 10, 2004

Der Incentive-Onkel startet durch

geschäftige Hand an LaptopEin Herr namens Wolfram-Wilhelm im schwarzen Hemd und silbernem Laptop gründet eine Firma fuer Incentive- und Veranstaltungsmanagement. Schreibt jedenfalls die Westfälische Rundschau. Und denen glaubt man gemeinhin ja.

Grüsse an dieser Stelle an die Lokalredaktion der WR in Kreuztal. Und natürlich den Wolfram-Wilhelm. Vielleicht kreuzen sich unsere Pfade in der Sache eines Tages noch ...

Posted by Chefredaktion at 12:25 PM | Comments (0)

January 6, 2004

Neues von Gott und der Welt

Howard Dean, Gouverneur von VermontDer demokratische Präsidentschafts- kandidat Howard Dean hat schon jetzt Geschichte geschrieben: Er bedient sich für die Wahl im Herbst ganz gezielt des Internets, und mobilisiert damit Massen. Per Mausklick kann jeder zum Kampagnen-Strategen werden und eine Aktion starten. Diese verbreiten sich dann, dank der zentralen Dean-Website "www.deanforamerica.com" wie Lauffeuer und ziehen ungeahnte Menschenmassen an. Laufzettel vor dem heimischen Supermarkt verteilen oder eine Debatte mit lokalen Politgrössen organisieren, jede Aktion zählt. Grassroots, heisst das hier.

Die Rechten finden's übrigens auch gut. Denn von allen Kandidaten, so denken sie, kann der Arzt aus Vermont von George W. Bush am vernichtendsten geschlagen werden. Immer wieder hört man höhnische Tips aus dem Lager der Republicans, wie Dean sich in den Primary-Elections - in diesen Wahlen wird die Zahl der Demokratischen Gegenkandidaten auf einen reduziert, der dann schliesslich gegen Bush antritt - gewinnen kann.

Der Bible Belt, zu deutsch Bibelg�rtel, ist der Spitzname für die Staaten des Südens und Mittleren Westens der USA. Tiefgläubige, fundamentalistische Christen machen hier den Hautpanteil an der Bevölkerung aus. Der bible belt hat die höchste Scheidungsrate des Landes.

A propos reduzieren: Ein neues Kampagnen-Thema gesellt sich dieser Tage zu solch profanen Sujets wie Gesundheitspolitik, Staatshaushalt, Aussenpolitik oder Arbeitslosigkeit: Religion. Wahrscheinlich ist, so die Meinung der Experten, dass Dean ohne offene Bekundung seiner christlichen Werte keine Chance hat. Klar ist hingegen: Bush kann er darin nicht schlagen. Zu oft ist der im Fernsehen betend, mit biblischem Gutmenschen-Gerede und göttlich legitimiertem Zorn aufgetreten. Dennoch: versuchen muss er es. Sagen zumindest seine Berater. Denn für die Wahl sind die Stimmen der Südstaaten des Bible-Belt wichtig. Und tatsächlich: Neulich liess er mitteilen, die Kampagne habe ihm seine christlicheÜberzeugung neu vor Augen geführt. Wir empfehlen künftig Jesuslatschen und elektrischen Heiligenschein. In Neon-Pink.
Posted by Chefredaktion at 1:18 PM | Comments (3)

January 3, 2004

Neues fürs neue Jahr

Pünktlich zum neuen Jahr wird es an dieser Stelle einige Neuerungen geben.

Als erstes bekommt diese bescheidene Seite einen neuen Namen: "Capitol Fahrvergnügen" überträgt von nun an von hier Episoden und Persönliches aus Washington DC für alle, die es interessiert. Das heisst aller Wahrscheinlichkeit nach auch, dass sich die Internetadresse ändern wird. Wenn es soweit kommt, werdet Ihr für einen Übergangszeitraum von der gewohnten Stelle an die neue Adresse umgeleitet, bis sich die neue URL gesetzt hat.

Zweitens wird diese Seite von nun an zweisprachig geführt, nämlich deutsch und englisch. Vielleicht gelingt es mir sogar, hin und wieder einen Gastautor oder Gastautorin anzuheuern, der/die Euch ab und an etwas besseres bietet als meinen eigenen sprachlichen Auswurf.

Ausserdem: Einige visuell neue Elemente (habt Ihr vielleicht schon bemerkt; vor allem die Erklärungskästen am rechten Rand der Textspalte) haben Serienreife bewiesen und werden Texte künftig etwas auflockern.
Darüber hinaus wird es "hinter den Kulissen" - vor allem in der Software, die den gesamten Weblog steuert - einige Upgrades geben. Sollte es dabei vorübergehend zu einigen Ausfällen kommen, bitte ich schon jetzt um Nachsicht.

Ansonsten ändert sich eigentlich nicht viel. Ich notiere weiterhin viel zu unregelmässig meine Eindrücke aus einem verrückten Land und einer grossartigen Stadt (oder war's umgekehrt?). Wenn's gefällt, um so besser.

Posted by Chefredaktion at 11:30 PM | Comments (2)

January 2, 2004

Wenn der Super-Bowl naht

Auf EierjagdIch habe mir immer Mühe gegeben. Habe versucht, mich zu interessieren, mir mehr Zeit verordnet. Und habe immer wieder entmutigt aufgegeben: Ich kann an Football einfach nichts finden. Mehr noch, ich finde es schlichtweg zum Einschlafen.

Und mit dieser Überzeugung begebe ich mich an den Rand der Gesellschaft. Ich bin männlich, Ende zwanzig, einigermassen sportlich, und bin NICHT Football-Begeistert. Das ist beinahe verdächtig. Also Psst! Nicht weitersagen. Einem wie mir traut man gerade hier im dichten "Baltimore Ravens" und "Washington Redskins"-Revier nicht über den Weg. Und für meine unfreiwillige Football-Aversion zahle ich einen hohen Preis: Im Land der schnellgeklopften Smalltalk-Sprüche friste ich ein tristes Schattendasein fernab der kernigen Football-Rhetorik bei der sich pausbäckige Moschusochsen allwöchentlich bei Lightbier und Chickenwings in den Sportsbars die Kehle wund röhren. Das macht einsam.

Und frustriert. Denn auch als Nicht-Footballfan führt an dem tumben Spiel mit dem eiförmigen Leder in dieser Jahrezeit kein Weg vorbei. Sobald ich den Fernseher einschalte schmeisst irgendsoein gepanzerter Fettwanst seinem Mitspieler das Ei über 15 Meter zu und die Moderatoren ergehen sich in minutenlangen Lobeshymnen, was das für eine tolle Aktion war. "Zuwerfen", nannten wir das früher als Kinder. Und in diesem Falle wahrscheinlich "mit Umschubsen".

Footballspieler sind übrigens nicht gerade arm. Donovan McNabb, Quarterback der Philadelphia Eagles, zählte in der vergangenen Saison zu den Grossverdienern. Sein Salär für das viele Eierwerfen und Umgeschubst-Werden: bescheidene vierzehn Millionen Dollar.

Nun soll aber niemand denken, meine Liebe für den Volkssport Football scheitere an mangelnder Regelkenntnis. In zahllosen Football-Nachmittagen habe ich mir von wahren Fans die Bedeutung von "Interceptions", "Punt Returns" und "Wide Receivern" erklären lassen. So weiss ich also einigermassen, worum es geht. Und kann mich trotzdem nicht dafür begeistern.

So werfe ich also hier und jetzt öffentlich das Handtuch. Ich gebe auf. Oute mich als sportlicher Sonderling und gesellschaftlicher Spassverderber. Als Sport-Terrorist, quasi. Football ist für mich besser als jede Schlaftablette. Und Lightbier mag ich auch nicht.

In diesem Sinne: Allen einen guten Start ins neue Jahr!

Posted by Chefredaktion at 1:18 AM | Comments (2)