November 24, 2003

Geburtstag vergessen ...

"Arnold and other D.C. Incidents" ist eins. Der erste Eintrag datiert vom 18. November 2002. Prösterchen!

Posted by Chefredaktion at 4:06 PM | Comments (0)

"How are you today?"

Viele Dinge der Amerikanischen Sprache lassen sich einfach nicht ins Deutsche übersetzen. Und zwei schon ganz besonders nicht: Humor und Floskeln. Jeder, der schon einmal die Simpsons im Original und danach in der jämmerlichen deutschen Übersetzung velustiert hat, weiss wovon ich rede. Und jeder, der versucht die unzähligen Phrasen zu ergründen (geschweige denn zu übersetzen), deren kräftiges Dreschen ein wichtiges Ritual in der verbalen Kommunikation zwischen den Amerikanern ist, weiss, dass deren rationales Verständnis ein nahezu hoffnungsloses Unterfangen ist. Small Talk ist hier keine Kür, es ist Pflicht. Auch ich, der ich seit Jahren in den USA ein und aus gehe, habe mitunter damit Schwierigkeiten. Was heisst "mitunter"? Eigentlich immer. Der folgende Dialog mag mein Dilemma bespielhaft verdeutlichen.

Ich betrete eine Buchhandlung auf der Suche nach einem Linux-Magazin.
"How are you doing?", ruft mir der Buchverkäufer von seiner Kasse aus entgegen. Wer Amerika bereits das ein oder andere mal bereist hat, der weiss: So oder so ähnlich beginnt hier so ziemlich jede Unterhaltung. Ich halte kurz inne. So ad hoc eine Antwort auf diese Frage nach meinem Wohlbefinden zu finden, ist für den durchschnittlichen Mitteleuropäer wie mich oft gar nicht so einfach. Genauer gesagt fühle ich mich bei "How are you?" immer auf dem falschen Fuss erwischt. Ertappt, quasi. So auch jetzt. Denn so auf die Schnelle habe ich keine Antwort parat. Ja, wie geht es mir denn überhaupt? Mal sehen. Ist irgend etwas vorgefallen, was mir besonderen Grund zu Freude oder Traurigkeit geben könnte? Eigentlich nicht. Wie fühle ich mich körperlich? Einwandfrei. Körperfunktionen? Alles in bester Ordnung. Ein bischen schlecht geschlafen habe ich, aber so genau will es der Mann bestimmt nicht wissen. Mit anderen Worten, es geht mir weder gut noch schlecht. Es geht mir sozusagen überhaupt nicht. Jedenfalls nicht so, dass ich mich zu einem Urteil in die eine oder andere Richtung hinreissen lassen würde.

Dann denke ich an den Obdachlosen, dem ich eben an der Ubahn-Station einen Dollar in die Hand gedrückt habe. Und ich denke daran, dass ich heute morgen gut im Warmen gefrühstückt habe. Ich denke an die Irak-Schlagzeilen in der Zeitung und mir fällt ein, dass ich auf dem Weg durch die Häuserschluchten hierhin nicht um Leib und Leben füchten musste.

"Es geht mir wirklich sehr gut", entgegne ich dem Verkäufer. Der Mann grinst. Nach all den "OK"s "Allright"s und "Not bad"s, die er gewöhnlich als Antworten bekommt, muss er denken, heute sei mein Glückstag. Und wenn ich mir das so genau überlege, hat er damit wahrscheinlich auch ein bischen Recht.

Posted by Chefredaktion at 1:29 PM | Comments (2)

November 19, 2003

Wenn der Berg zum Prophet kommt

Es ist Mittwoch, acht Uhr morgens. Ich verlasse das Haus in Richtung "Metro Station", wo mich die Orange Linie nach Ballston bringt. In Ballston ist die für uns zustündige lokale Einwanderungsamt-Dienststelle. Noch immer warte ich auf meine Arbeitspapiere, keiner kann mir über meinen Fall richtig Auskunft geben, unsere Ersparnisse gehen zu neige, langsam werde ich frustriert. Überdies will ich mit den Beamten klären, ob ich das Land über Weihnachten verlassen kann, um Deutschland zu besuchen.

Vor den Sicherheitsschleusen am Eingang hat sich eine Schlange gebildet, die sich jedoch recht zügig bewegt. Nach wenigen Minuten gelange ich so ins Foyer und werde von einem Beamten gefragt, was mein Anliegen sei. Nach einer kurzen Erklärung schickt er mich in Raum 110. Dort wartet abermals eine Schlange auf mich, an deren Ende eine Dame an einem Schreibtisch sitzt, die Formulare austeilt und Fragen beantwortet. Ihr Gebaren verrät mir, dass der Job sie ankotzt und sie jeden der Vorsprechenden am liebsten schnell wieder los werden will. So komme ich denn auch recht schnell dran.

ich: "Guten Morgen. Laut dieses Papiers sollte ich eigentlich meine Arbeitserlaubnis haben. Was ist da los?"

dame: "Wo wohnen Sie?"

ich: "DC"

dame: "Kommen Sie morgen vor 7:30 wieder und melden Sie sich im zweiten Stock. Der nächste!"

ich: "Ich möchte jetzt mit jemandem reden."

dame: "Das geht nicht. Jetzt ist dort schon voll. Der nächste!"

ich: "Es ist erst viertel vor neun!"

dame: "Ich kann nichts für Sie tun. Der nächste!"

ich: "Ihnen ist das alles völlig egal, richtig?"

dame: "Der nächste!"

Ich stehe eine Weile gedankenverloren im Ausgangsbereich. Im Herausgehen höre ich die Konversation mit meinem Nachfolger, einem Herren aus Afrika, der des Englischen nicht besonders mächtig ist. Schnell wird die Dame ungeduldig mit ihm. Sie drückt ihm acht Kilo Formulare in die Hand und schickt ihn wieder weg. Er ist noch vor mir draussen.

Posted by Chefredaktion at 10:16 AM | Comments (0)

November 18, 2003

Gulasch-Rezepte für die Demokratie

In den Parlamenten der Welt geht es zuweilen bizarr zu. So auch letzte Woche im US Senat, gleich hier um die Ecke. Während in der russischen Duma zuweilen die Fäuste fliegen oder sich im britischen Unterhaus die Parlamantarier ins Gesicht schreien, wahren die US-Senatoren stets die Contenance und bekriegen sich mit einem hier durchaus salonfähigen politischen Mittel: Langeweile.

Die Republikaner hatten angekündigt, gegen die Blockade der Demokraten, die gegen die Einschwörung vierer von Präsident W. favorisierten Bundesrichtern und -richterinnen seit Monaten Widerstand leisten, ein politisches Zeichen zu setzen. Wie es sich genau mit den Damen und Herren in dem höchsten richterlichen Amt verhält, ist eine Geschichte für sich, die sich mir zugegebermassen nicht vollständig erschliesst. Es ist zu vermuten, dass die politischen Gesinnungen der Robenträger mit denen des Herrn Bush konform gehen, und daher einer rechtskonservativen, ideologischen Verbrämtheit nicht entbehren. Die Urteile, die diese Richter fällen würden, kann man sich vorstellen. Hinzu kommt, dass das Amt im "Supreme Court" einen Ruf auf Lebenszeit beinhaltet. Mit anderen Worten: Kein Kindergeburtstag, also.

Nun, die Demokraten sind also strikt gegen die Amtseinführung der zur Debatte stehenden Damen und Herren und haben seit Wochen und Monaten jegliche Abstimmungen (zur Erinnerung: die Demokraten sind im Senat in der Minderheit) mit einem für einen Durchschnitts-Europäer wie mich skurril anmutenden politischen Mittel blockiert: dem Filibuster. Fili-Was? Nun, ein Filibuster ist, wenn ein Abgeordneter seine Redezeit so weit überzieht, dass eine sich an die Debatte anschliessende Abstimmung nicht stattfinden kann.
Das klingt für unsere Ohren äusserst unfair und undemokratisch (um nicht zu sagen: albern), hat aber hier Tradition. Der im letzten Frühjahr verstorbene greise Rechts-Aussen Strom Thurmond hatte sich seinerzeit in die Rekordbücher ge-filibustert als er vor Jahrzehnten versucht hatte, im Zusammenhang mit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung einige liberale Entscheidungen zu sabotieren.

So weit, so gut. Die Republikaner wollten es nun also in Sachen Bundesrichter den Demokraten heimzahlen und ihrerseits mit einem Filibuster auf die Tatsache aufmerksam machen, dass die Demokraten die Entscheidung über die Richter mit Filibustern blockieren. Für ihren Anti-Filibuster-Filibuster hatten sie geschlagene 30 Stunden veranschlagt, 15 Stunden Redezeit für jede Fraktion. Hier einige ausgewählte Auszüge aus den ersten Stunden der Farce, übersetzt aus der Washington Post:

  • Mittwoch, 18:30h - Die beiden Fraktionsführer Frist und Reid zanken sich im Angesicht von 30 Stunden Debatte darüber, wer mit wieviel Redezeit anfangen darf. Reid will die erste halbe Stunde für seine Demokraten, während Frist als ersten Redner Orrin Hatch (R-Utah) sehen will. Geplagt von einer Halsentzündung macht Hatch mit raschelnder Reibeisen-Stimme selbst den erlösenden Kompromiss-Vorschlag: "Ich rede erst vier Minuten, dann kriegen Sie eine halbe Stunde, dann ich wieder elf Minuten."
  • 19:05h - Draussen im Foyer haben sich Demokratische Anhänger zu einer Unterstützungs-Demo für ihre Fraktion eingefunden. Sie verteilen "Filibuster-Bingo" Spiele, T-Shirts und Care-Pakete, bestehend aus Kaffe, Snickers und Magentabletten die gegen den "Brechreiz bei den Republikanischen Reden" helfen sollen.
  • 19:45h - Drinnen verurteilt Senator Richard Durbin (D-Ill.) den Debattenmarathon und schlägt vor, dass alle für dreissig Stunden die Luft anhalten und blau anlaufen.
  • 21:40h - In Frists Büro, nur ein paar Türen vom Plenarsaal weg, werden ein paar Feldbetten mit blauen Schlafsäcken aufgestellt. Für den Fall, dass jemand ein kurzes Schläfchen braucht.
  • Donnerstag, 3:00h - Alles substantielle ist gesagt. Mark Pryor (D-Ark.) erklimmt das Rednerpult und verlegt sich für die Dauer seiner zweistündigen Redezeit aufs Vorlesen aus der tausendseitigen Biographie von Lyndon Johnson.
  • 5:00h - Harry Reid (D-Nev.) verrät Gulasch-Rezepte und Tricks, wie man wilde Kaninchen aus dem Garten fernhält.
  • ...

Die Debatte endet schliesslich nach 36 Stunden am Freitag morgen. God bless America.

Posted by Chefredaktion at 11:03 AM | Comments (0)

November 13, 2003

Sieben Milliarden für eine Garantie

George Soros ist ein reicher Mann. Das Vermögen des aus Ungarn stammenden Amerikaners beläuft sich auf die Kleinigkeit von etwa sieben Millarden US-Dollar. Und spendenfreudig ist er obendrein. Den Wahlkampf der Demokraten, der derzeit in vollem Gange ist, unterstützt er mit mehreren Millionen. In einem Interview, das gestern in der Washington Post abgedruckt wurde, ist Soros regelrecht besessen von dem Gedanken, George W. Bush im Herbst nächsten Jahres aus dem Weissen Haus zu kegeln. So besessen, dass er sogar bereit wäre, dafür sein gesamtes Sparschwein mit den sieben Milliarden zu schlachten. Unter einer Vorraussetzung: Das Gelingen müsste garantiert sein.
Dem guten Beispiel schliesse ich mich an und packe bereitwillig einen Heiermann oben drauf. Nun also: Daumen drücken.

Posted by Chefredaktion at 11:08 AM | Comments (0)

November 11, 2003

Ein neuer Pinguin

Seit gut einem Jahr benutze ich nun neben Windows auf meinem Laptop auch Linux. Redhat Linux, um genau zu sein. Heute bin ich ein glühender Verfechter des Betriebssystems mit dem Pinguin-Maskottchen. Es läuft schneller, stabiler, sicherer, besser. Die Liste der Vorzüge ließe sich beliebig lang fortsetzen, genau wie die Argumente der Microsoft-Jünger, die überzeugt sind, Linux ist furchbar.

Wie dem auch sei, in den nächsten Tagen werde ich eine neue Linux-Variante auf meinem Computer installieren. Bisher haben mein "RedHat Linux" und Windows immer friedlich auf einer Festplatte ko-existiert. Ich will hoffen, dass das bei einer Neuinstallation so bleibt. Allerdings ist das nicht unbedingt garantiert. Deshalb hier eine Vorwarnung: In den nächsten Tagen bin ich unter Umständen unfähig zu emailen, weil das neue "Gentoo Linux" meine Windows-Partition zerschreddelt hat. Ich berichte, wie's läuft.

Posted by Chefredaktion at 9:06 PM | Comments (0)

November 9, 2003

Home sweet home

Oft werde ich gefragt, ob ich nicht mal ein paar Bilder von unserer Wohnung schicken kann. Kann ich leider nicht, alldieweil ich keine Digitalkamera mein Eigen nennen kann. Damit ihr dennoch zumindest so ungefähr wisst, was auf Euch zukommt wenn Ihr mich alle demnächst zahlreich besucht, habe ich ein kleines Expose zusammengestellt. Und zwar genau hier.

Posted by Chefredaktion at 12:38 AM | Comments (3)

November 5, 2003

Da kriege ich die Wut!

"Muslimische Brüder: Raus aus D.C."

Da sollen sie sich nicht wundern, wenn einige hier am liebsten den gesamten Nahen Osten plattmachen und in einen grossen Parkplatz umfunktionieren würden.

Posted by Chefredaktion at 11:56 AM | Comments (0)

November 1, 2003

Mit Tränen in den Augen ...

... habe ich bei Soccer Nation zur Kenntnis genommen, dass in der Lucky Bar das morgige Spiel der Borussia gegen den HSV übertragen wird. Mein schwarz gelbes Trikot liegt schon bereit.

Posted by Chefredaktion at 9:38 AM | Comments (1)