Als kleiner Vorgeschmack auf den Kitsch, der die Nation zum Weihnachtsfest begeistert, gibt's heute elektrisch beleuchtete Plastikkürbisse und synthetische Gruselkostüme in Hollywood-Manier auf den Strassen. Heute ist Halloween. Leider hat diese Pest von einem Fest auch Deutschland schon fest im Griff, wie ich mir habe sagen lassen. Naja, wen's interessiert, der kann hier was über die Ursprünge nachlesen. (Diese Webseite hängt übrigens die Messlatte der Scheusslichkeiten im Internet wieder einen Zacken höher. Seid also gewarnt.)
Auch Amber und ich stellen uns heute einen Kürbis vor die Haustür. Schliesslich muss man sich zumindest ein bischen an die landestypischen Gebräuche anpassen:
Über Geschmack kann man bekanntlich streiten. Ich habe das hier mittlerweile aufgegeben. Denn, vor allem auf dem platten Land, stellen sich dem durchschnittlichen Mitteleuropäer zuweilen die Nackenhaare auf, wenn es um Einrichtung geht. So auch neulich, bei einem Ferienwochenende in der Einsamkeit von Oakland, Maryland.
Amerikaner, vor allem in wenig urbanen Gefilden, schätzen einen recht eigenwilligen Geschmack, wenn es um Einrichtung geht. Alle meine Definitionsversuche sind bislang jedes Mal durch neue, ungeheuerliche Abartigkeiten ad absurdum geführt worden. So viel sei gesagt: Rokoko, Biedermann und Kolonial-Ära, scheint es, hat es den Wohnzimmern der Amerikanischen Landbevölkerung angetan. Und hiermit pflastern sie ihre vier Wände buchstäblich zu. Allerlei Möbel und eine atemberaubende Fülle an Hinstell-Schnickschnack soll in allen Räumen des Hauses historischen Tiefgang vorgaukeln. So kann es vorkommen, dass man ein Haus betritt, dessen Innenraum auf den ersten Blick wie eine mit Antiquitäten vollgestopfte Rumpelkammer ausschaut, sich jedoch beim Anfassen der scheinbaren Messing-Kerzenhalter aus PVC und dem viktorianischen Sekretär aus schlecht furnierter Vollspanplatte, langsam Übelkeit breit macht.
So weit so gut. "Whatever floats your boat", wie die Amerikaner sagen. Also zu deutsch "Jeder, wie er will". Zu diesem bunten Potpourri der Abscheulichkeiten gesellt sich nun aber ein atmosphärischer Kunstgriff, der mich ? vor allem in Restaurants - oft schier zur Weissglut treibt: schummriges Halbdunkel. Offenbar in Anlehnung an süßere Zeiten vor den Wehen des elektrischen Lichts, gehen vielerorts Restaurantbetreiber den Weg der kolonialen Dunkelheit, um ihren Etablissements den perfekten Stempel pittoresker Behaglichkeit aufzudrücken. Spärliche Lichtquellen, deren schwächliche Glühbirnen durch dicke Lampenschirme gedämpft werden, sowie dicke dunkle Teppiche, die die Friedhofsstimmung noch zusätzlich abdunkeln und akustisch dämpfen, und üppige Vorhänge aus synthetischem Samt machen auch dem letzen Rest Tageslicht den Garaus.
Aber zurück zu Oakland / Maryland. Oakland ist etwa so gross wie Dahlbruch und gehört zu dem grossen Feriengebiet "Deep Creek Lake". Dem Nicht-Siegerländer, der womöglich mit Dahlbruch nichts anfangen kann, sei hiermit gesagt, es handelt sich dabei um ein beschauliches Dörfchen von etwa 4000 Einwohnern. Prädestiniert also für ein Exempel der eben beschriebenen Geschmacksverirrungen.
Wir betreten mit sechs Leuten das beste Restaurant im Ort. Es ist später Nachmittag, ein sonnig schöner Herbsttag geht zu Ende. Als wir uns durch die dicke Eingangstür aus dunklem Eichenholz zwängen umfängt uns sofort ein Geruch von Moder und parfümierten Plastikblumen. Es ist dunkel wie in einer Gruft. Die Dame am Empfang geleitet uns, wie das hier so üblich ist, durch das Foyer in den Speisesaal an unseren Tisch. Und gegen die hier herrschenden Lichtverhältnisse ist der Eingangsbereich ein wahres Paradies für Sonnenanbeter. Jemand drückt mir aus dem Dunkel heraus eine Speisekarte in die Hand und fragt nach Getränken. Nachdem sich meine Augen an die Finsternis gewöhnt haben, kann ich langsam die Karte lesen. Ich taste ein wenig nach links, in der Hoffnung, Amber sitzt neben mir. Und auch sie hat Probleme in dieser Düsternis. Als sie ihre Bedenken äussert, weisen die anderen sie zurecht, dass das eben so sei in teuren, gemütlichen Restaurants. Aha.
Wehmütig halte ich nach einem Fenster Ausschau. Nach wenigen Augenblicken erspähe ich eins, mit schweren Gardinen verhangen. Die Kellnerin hat offenbar meine Blicke bemerkt und stellt sich schützend vor den Vorhang. Als wolle sie mir sagen "das haben schon ganz andere versucht, Freundchen" klipst sie den Vorhang noch fester zu und sieht mich argwöhnisch an.
Ich ergebe mich dem Schicksal. Meine Augen beginnen vom Lesen der Karte zu schmerzen. Nach kurzem Überlegen entscheide ich mir fÜr Hirschragout. Dazu ein Bier. Ein dunkles, versteht sich. Schliesslich mag ich?s gemütlich.
Zuweilen blicke ich wehmütig auf mein gelbes Borussia-Trikot im Schrank und versetze mich in Gedanken in die Südkurve des Westfalenstadions. Mit Football und Baseball kann ich hier, auch mit viel gutem Willen, so ziemlich nichts anfangen. Naja, Baseball schon eher, aber mit Football kann man mich jagen. Der deutsche Volkssport Fusi fehlt mir so sehr, dass Amber und ich am vergangen Wochenende beschlossen, uns ein Spiel der Washingtoner Major-League-Soccer-Mannschaft anzusehen: DC United.
Der Vergleich mit einem Samstag Nachmittag in der Dortmunder Südkurve ist natürlich eher unfair, wenn man den Stellenwert des Sports hier bedenkt. Aber, auch unter den gegeben Umständen, war es eine unterdurchschnitlliche Sättigung meines Fussball-Hungers. Während die Stimmung einigermassen süd-amerikanisch gut war (die Fangemeinde von DC United besteht zu einem grossen Teil aus Latein-Amerikanern), war das Geschehen auf dem Rasen des RFK-Stadions zum Abgewöhnen. Der Schiedsrichter hatte das Spiel gegen die "Columbus Crew" von Anfang an nicht unter Kontrolle. Über-Härte und kleine versteckte Fouls spielten schnell eine wichtige Rolle in dem Gehacke. Kollege Stoichkov war das natürlich nur recht, und der angegraute Fussball-Opi war sicht nicht zu schade, die jungen Spieler des Gegners herumzuschubsen und ihnen allerlei Nettigkeiten zu erzählen. Vermutlich auf bulgarisch.
DC United verlor schliesslich nach einer spannenden Endphase mit 3:2 nach golden Goal. Ezielt übrigens von einem Veteranen, den einige von Euch vielleicht noch aus der ganz passablen Amerikanischen WM-Mannschaft von 1994 in Erinnerung haben: Marc McBride.
Eine andere Möglichkeit, das deutsche und Europäische Fussballgeschehen zu verfolgen, habe ich kürzlich aufgetan: www.soccer-nation.com. Diese Webseite bietet einen Überblick über allerlei Spiele, die es in den Fussball-Kneipen von Washington zu sehen gibt. Neben Champions-League und UEFA-Cup Partien gibt es dort hin und wieder auch Bundesliga-Spiele. Das Match für diesen Sonntag ist allderdings so interessant wie eine Begegnung zwischen dem VFR Bocholt und der Spielvereinigung Meinerzhagen: Die "Lucky Bar" zeigt das Spiel Leverkusen gegen Gladbach. Nein Danke.
Kleines Update in Sachen verdaechtiges Paeckchen:
Unser Gebaeude ist weitraeumig abgesperrt. Mit einem Dutzend Polizeiwagen und Feuerwehr sind Beamte zur Hauptverwaltung der U-Bahn-Behoerde genau gegenueber geeilt. Alle Zufahrtsstrassen sind mit gelbem Band "Police Line. Do not cross" und Streifenwagen blockiert. Sogar die Kollegen vom FBI sind da. Wie man das aus dem Fernsehen kennt, gewandet in Anzug und Krawatte mit silbernem Abzeichen auf der Brust.
Ich komme gerade von einem Friseurtermin aus meiner alten Heimatvorstadt Takoma Park als ich auf meinem Nachhauseweg auf die Strassensperre stosse. Als ich der Beamtin klarmachen will, dass ich hier wohne, schuettelt sie nur den Kopf. "You can't go through here". Was passiert ist, will ich wissen. Sie murmelt etwas von einem "suspicious package", einem verdaechtigen Paket also. Die Feuerwehrleute sind in voller Brandschutzmontur ueber einen Gegenstand gebeugt.
Ich laufe einmal um den Block um durch den Hintereingang unser Gebaude betreten zu koennen. Jetzt werde ich mal schauen, was es neues gibt ...
Es ist Mitternacht und ich kann nicht schlafen. Heute abend sind wir von einem verlängerten Wochenendtrip aus Deep Creek Lake im Westen von Maryland zurückgekehrt. Dort schlufen wir des Nachts bei völliger Stille und tiefer Dunkelheit in einer Blockhütte im Wald.
Nun, wieder in DC, ist es laut und hell. Und an Schlaf ist erstmal für mich nicht zu denken.
Fotos von dem schönen Trip sollte es übrigens in Kürze hier zu sehen geben. Mit ein bischen Glück gelingt es mir auch, ein Video von dem Banjo-Wettbewerb, den wir uns am Freitag abend anschauten, auf diese Plattform zu schieben. Da lernt ihr dann den guten alten Hoot aus West Virginia kennen, der in einem abartigen Tempo in die Seiten greift. Überhaupt geht das ab wie die Feuerwehr, wenn die auf dem Land bei ihrer Bluegrass-Musik so richtig Gas geben.
A propos Feuerwehr, hier kommt gerade wieder eine vorbeigefahren ...
Jetzt, wo ich nicht mehr bei Arnold arbeite, könnte ich eigentlich mal meinen Weblog umbenennen. Hat jemand eine Idee?
Es wird Herbst, auch bei Eurem Lieblings-Weblog. Passend zur Jahreszeit gibt es ab heute ein neues Farbschema. Schickt mir doch mal Screenshots, wie das auf Euren Kisten so aussieht.
Gefällt's?
Heute ist in Kaliforien Wahltag. Und so viel ist gewiss: Es wird ein Wahltag mit einer sehr turbulenten Vorgeschichte werden. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte des Landes wird ein Gouverneur vorzeitig aus dem Amt gewählt. Dabei handelt es sicht um den Demokraten Gray Davis, der sich in dem bevölkerungsreichsten Staat der USA durch seine Politik äusserst unbeliebt gemacht hat.
Zwischenzeitlich sah es so aus, dass die Wahl gar nicht stattfinden sollte. Denn vor gut einem Monat hatten Gerichte entschieden, die vorzeitige Neuwahl wegen Mängeln an den Stimmen-Erfassungsgeräten auszusetzen. Die gleichen Mängel übrigens, die auch in dem fragwürdigen Wahlspektakel bei der Präsidentschaftswahl 2000 in Florida eine nicht unerhebliche Rolle spielten. Doch der oberste Gerichtshof bestimmte schliesslich, und stimmte damit de facto gegen seinen eigenen Wiederauszählungs-Beschluss von 2000, dass die Wahl doch wie geplant heute stattfinden soll.
Wie dem auch sei, die Zeichen deuten daraufhin, dass Arnold Terminator der neue Gourverneur des Sonnenstaates wird. Die Bilder von den Kampagnen-Auftritten des Muskel-Ösis entbehren nicht einer gewissen Komik. Seine Anhänger liegen dem Hünen zu Füssen wie Conan dem Barbaren. Und dass er sich in seiner cineastischen Vergangenheit wohl auch so aufgeführt hat, scheint sie nicht grossartig zu stören. Ich frage mich, warum genau sie den Arnold so verehren. Wegen seiner politischen Leistungen? Wohl kaum. Wegen seiner Hasstiraden gegen den (noch) Gouverneur Davis? Wahrscheinlich. Wegen seines flachen Geschwafels von Führung und goldener Zukunft? Auf jeden Fall.
So warten wir also ab, wie sich die Leute in Kalifornien heute entscheiden. Vielleicht deucht ihnen ja beim Gang zu den Urnen, dass sie im Begriff sind, einen Millionenschweren Filmstar zum Gouverneur zu machen. Und vielleicht machen sie dann ihr Kreuz bei jemand anderem. Zum Beispiel bei Mary Carey.
Die Angst vieler Firmen vor juristischen Amokläufern unter ihren Kunden treibt bisweilen skurrile Blüten. McDonald's musste sich bekanntermassen vor US-Gerichten verantworten, weil die Eltern eines dicken Kindes die Schuld am Übergewicht ihres fetten Wonneproppens nicht auf sich sitzen lassen wollten. Was eigentlich beim ersten Gerichtstermin zu den Akten gelegt hätte werden sollen, ging hier durch einige Instanzen.
Anderes Beispiel: Rolltreppen. Die hiesigen Hersteller dieser Mordinstrumente gehen auf Nummer sicher und statten ihre Treppen mit Warntafeln aus, die Tips für ein entspanntes und sicheres Rolltreppenerlebnis geben sollen.
Wenn ich also demnächst lebendig von den gerippten Killer-Stufen in Stücke gerissen werde, weil mein Schnürsenkel in das Mahlwerk des Getriebes gelangt waren, oder wenn mir ein Kinderwagen mitsamt Kind achtkantig zwei Stockwerke die Treppe herunterpoltert, oder - weil ich unachtsam rückwärts auf den Stufen stehe - ich das Ende der Treppe verpasse und aufs Maul falle, dann können die Herren Juristen künftig sagen "We told you!".
Aus diesem Grunde studiere ich neuerdings vermehrt die exquisiten Abhandlungen auf EESF