February 25, 2003

Mit Michael Jordan im Wohnzimmer

Michael Jordan, Dirk Nowitzki und Anhang statteten Amber und mir am Sonntag einen Besuch im Wohnzimmer ab. Unser Wohnzimmer, das sollte ich nicht vergessen zu erwaehnen, war am Sonntagnachmittag in der MCI Arena, wo die Washington Wizards ihre Heimspiele zu bestreiten pflegen. Wohnzimmer deshalb, weil wir Karten in einer der Executive-Suiten der Arena hatten. Und selbige gleichen einem geraeumigen Wohnzimmer, das einen Balkon zur Halle hat. Als wir mit unserer koeniglichen Pferdekutsche eintrafen oeffnete uns ein Page die Tuer in die festive Kemenate und zeigte uns kurz die Annehmlichkeiten der kaiserlichen Empore. Sitzecke, Theke und Kueche standen uns zur Verfuegung, nebst einer marmornen Toilette, damit unsere paepstlichen Hintern nicht womoeglich mit dem Mob eine Nasszelle teilen muessen.

Das Spiel war uebrigens sehr spannend. Die Stars auf dem Rasen goennten uns sogar eine Verlaengerung. Danach allerdings gingen die Dallas Mavericks als Sieger vom Platz. Sie hatten schlicht mehr Baelle in den Maschen versenkt und hatten in den letzten paar Minuten entscheidende Zweikaempfe im Mittelfeld fuer sich entscheiden koennen. Ihr merkt schon, ich vermisse Fussball doch sehr.

Posted by Chefredaktion at 10:48 AM | Comments (0)

February 21, 2003

Prominenz am Freitagnachmittag

Jetzt gleich heisst es hier in der Agentur: "Ad Ease". Das ist eine monatliche Veranstaltungsreihe - organisiert von immer anderen Abteilungen - , die zur allgemeinen Zerstreung und Amusement dienen. Heute ist die Media-Abteilung an der Reihe, und wie ich hoere haben die einen nochkaraetigen Stand-Up comedian von der Combo "Capital Steps" organisiert. Hmm, ich bin gespannt.

Posted by Chefredaktion at 4:09 PM | Comments (0)

So fuehrt manchmal eins zum anderen.

Langsam schmilzt der Schnee dahin, doch die U-Bahn faehrt nach wie vor noch nicht auf voller Frequenz. Was dazu fuehrt, dass die paar Zuege, die tatsaechlich unterwegs sind, entsetzlich ueberfuellt sind. Was dazu fuehrt, dass viele Leute erst ein halbes Dutzend Bahnen auslassen muessen, bevor sie sich in eine der rollenden Sardinenbuechsen quetschen koennen. Was dazu fuehrt, dass viele Leute diese Geduld nicht aufbringen und versuchen, sich in viel zu volle Zuege zu pressen. Was dazu fuehrt, dass die Leute die ohnehin schon Wange an Wange in den Wagen stehen sehr ungehalten mit den Neuankoemmlingen werden. Was dazu fuehrt, dass sich die Leute anschreien. Was heute morgen dazu fuehrte, dass ein Herr schrie waehrend sein Mund etwa 5 centimeter von meinem Ohr entfernt war. Was dazu fuehrte, dass ich - ganz gegen meine Gepflogenheuten - aus vollen Kraeften zurueckbruellte. So fuehrt manchmal eins zum anderen.

Posted by Chefredaktion at 2:55 PM | Comments (0)

February 18, 2003

Des Schnees kuehler Odem

Noch immer haelt der Schnee die Stadt fest in seinen eisigen Pranken, was mir einen weiteren freien Tag verschafft. Allerdings: am Donnerstag geht eine Abgabefrist fuer eine Anzeige in "Southern Living" zu Ende. Und wenn niemand da ist werden wir das wohl kaum schaffen. Hmm... ich werde mal etwas herumtelefonieren.

Das Problem mit dem Schnee ist hier uebrigens momentan nicht so sehr, dass man die Strassen und Schienen nicht irgendwie zumindest halbwegs frei raeumen koennte. Vielmehr weiss man in der Stadtverwaltung nicht mehr wohin mit dem geraeumten Schnee. Deshalb hat man begonnen, die weisse Pracht in grossem Stile aus der Stadt zu chauffieren. Vielleicht koennte man den Texanern das Zeug andrehen.

Posted by Chefredaktion at 10:45 AM | Comments (0)

February 16, 2003

Es gibt Schnee

Ein Blizzard von ungeahnten Ausmassen giesst momentan tonnenweise Schnee ueber der Region aus. Amber und ich waren heute Nachmittag im Supermarkt. Nicht, weil wir unbedingt etwas brauchen, sondern um im Schnee etwas spazieren zu gehen. Autos fahren im Moment so gut wie keine, so dass wir die Strassen fast fuer uns hatten. Am Strassenrand parkende PKWs lassen sich nur noch durch die Antenne erkennen, die durch das Weiss ragt. Und es schneit weiter ohne Unterlass. Die Gouverneure von Maryland und Virgina haben den Notstand ausgerufen.
Auf dem Rueckweg nahm der Wind stetig zu und peitschte uns eiskalt den Schnee in die Visagen. Teilweise mussten wir kurz stehenbleiben und mit dem Ruecken zum Wind wieder Leben in unsere sterbenden Nasen kneten. Die Sicht in dem Schneetreiben sank zwischenzeitliche auf die buchstabliche Hand vor Augen als wir mit einigen Einkaufen bepackt die Strassen-Pisten nach Hause wankten. Jetzt sitzen wir hier, schluerfen heissen Kaffee und fragen uns wie die Behoerden gedenken, die verkehrsmaessige Infrastruktur einigermassen wiederherzustellen. Und ich warte noch darauf, dass mein Kinn wieder auftaut.

Es sieht ganz so aus, dass Amber morgen wohl keine Uni hat. Sie freut sich. Arnold duerfte wohl morgen auch geschlossen bleiben. Dummerweise haben wir eh frei.

Posted by Chefredaktion at 4:49 PM | Comments (0)

February 14, 2003

Geruechte allerorten

Die Geruechtekueche brodelt. Alle Spekulationen lassen prinzipiell auf zwei Hypothesen reduzieren. Entweder ist das Paket hier irrtuemlich angekommen, oder es war fuer jemanden hier bestimmt. Heute Mittag waren zwei Detectives hier, die unsere Office Managerin befragt haben. Die meisten der Mitarbeiter glauben an letztere Variante. Und sie haben einen handfesten Verdacht.

Posted by Chefredaktion at 5:02 PM | Comments (0)

Stadtgespraech und Terrorfragen.

Natuerlich ist das Paket von heute morgen der Gespraechsstoff schlechthin. Mittlerweile kann ich auch ein Bild von dem Corpus Delicti zeigen. Der Kopf neben dem duftenden Heubuendel ist uebrigens der von Jason.

Mittlerweile war die Polizei da und hat das Teil konfisziert. Die Stimmen der Leute, die sagen "Das haette niemand aufmachen sollen, wenn man bedenkt, dass sich die Stadt im Gefahrencode 'Orange' befindet" werden lauter.

Posted by Chefredaktion at 12:17 PM | Comments (0)

Valentinsgeschenke

Unverhofft kommt bekanntlich oft. So auch heute morgen, als die Post ein an "Arnold Worldwide" adressiertes Paket lieferte. Als ich im Buero ankam, war die Aufregung gross. Der Inhalt des in Geschenkpapier verpackten Objektes stellte sich als ein 20 Pfund Block Marihuana heraus. Die Sache wird sich vermutlich im Laufe des Tages entspinnen. Ich berichte weiter.

Posted by Chefredaktion at 10:40 AM | Comments (0)

February 13, 2003

Notstand nach Feierabend

Es ist kurz vor halb vier. Meine Laune ist gut. Nachmittaeglicher Kaffe dampft neben mir und ich genehmige mir fuenf Minuten um die neusten Nachrichten auf Spiegel.de zu studieren. Das Telefon klingelt. Am anderen Ender der Leitung meldet sich eine schnarrende Stimme namens Kevin. Kevin ist meine Kontaktperson beim Washington Post Magazin. Kevin ist gar nicht gut aufgelegt. Das Anzeigenmaterial, das wir ihm zugeschickt hatten, ist falsch proportioniert und its zu gross fuer die gebuchte 2/3 Seite. Einsendeschluss fuer die Anzeige war eigentlich heute morgen um 11.00. Ich sage Kevin, dass wir ihm die neue Anzeige gleich zuschicken. Nach kurzer Ruecksprache mit dem Studio - das sind die Leute, die die Anzeigen letztendlich aufbereiten - wird klar: Wir koennen die Anzeige in der gebotenen Eile nicht mehr an die richtige Groesse anpassen. Scheisse. Vor meinem geistigen Auge ziehen Bilder von einer gaehnend leeren Seite im Washington Post Magazine vorbei, wo eigentlich unsere Anzeite fuer den Kunden Colonial Williamsburg haette stehen sollen. Jemand hatte die rettende Idee, eine baugleiche Anzeige der richtigen Groesse, die eigentlich in zwei anderen Publikationen erscheinen soll, zu recyclen. Super. Ich rufe jemanden aus dem Account-Team an, und beschreibe die brenzlige Situation. Wir brauchen deren Unterschrift, damit auch sichergestellt ist, dass Telefonnummern, Preise und Datumsangaben in der Anzeige stimmen. Die Leute aus dem Studio teilen mir mit, dass – obgleich die Idee mit der recycleten Anzeige uns Zeit gewinnt – das ganze erst in etwa drei Stunden ueber die Buehne gehen kann. Es ist gleich sechs. Ich rufe Kevin an und saeusele etwas von “in etwa einer Stunde sind die Sachen bei Euch” in den Hoerer. Ich muss saeuseln, da Kevin nach Hause gehen will und sich schoenere Sachen vorstellen kann, als auf unsere Anzeige zu warten. Wir berufen eine Dauer-Telefonkonferenz mit unserem Imaging-Lieferant ein, der die Daten schlussendlich fuer uns fertigmacht. Zur Kontrolle schicken die uns ein PDF der Anzeige. Jemand aus der Kreation entdeckt einige grobe typografische Schnitzer. Ursachenforschung beginnt. Es ist gleich halb acht. Ich rufe Kevin an. Kevin ist nicht mehr da. Ich werde blass. Jemand aus der Media-Abteilung hat die Privatnummer unserer Verkaufsagentin fuer die Washington Post. Unser Produktionsmanager ruft bei der Dame zu Hause an. Die Dame ist sehr nett. Sie sagt uns, dass alles in Ordnung sein wird und sie mit einer anderen Anzeige weit mehr Probleme haben. Uns fallen Steine vom Herzen. Es ist gleich halb zehn. Schwein gehabt. Feierabend.

Posted by Chefredaktion at 11:41 AM | Comments (0)

February 11, 2003

Klebeband und Kirchenmusik

Politisch gesehen ist Washington derzeit ohne Frage ein heisses Pflaster. Die Hauptstaedter sind’s mittlerweile gewoehnt. Die meisten reagieren auf die vom Ministerium fuer Homeland Security herausgegebene Sicherheitsstufe “Orange” mit Achselzucken: “Man kann doch eh nichts tun”. Die Washington Post zitiert heute einen Beamten aus der Giganten-Behoerde, der Tips gibt, wie sich Bevoelkerung gegen einen etwaige Angriff mit Bio-, Chemie- oder Nuklearwaffen absichern soll. Wasser und Essen fuer drei Tage soll man bunkern. Dazu Klebeband (“Duct-tape”), Decken und ein Radio. “Die ersten 24 bis 48 Stunden nach einem schweren Anschlag”, so ein Sprecher, “werden die Leute auf sich gestellt sein”. Allerdings gebe es trotz aller Warnhinweise keinen Grund zur Beunruhigung. Naja.

Etwas froehlicher geht es bei mir derzeit musikalisch zu. Heute abend treffe ich mich mit einem Organisten um eventuell an einem Stueck fuer Klavier und Orgel zu arbeiten, dass dann in ein paar Wochen einer Kirche zu hoeren sein wird. Der Organist, Don Horn, ist eigentlich Architekt bei einem US-Ministerium und hat sich auf “gruene Daecher” spezialisiert. Solche also, die besonders energiesparend und auch sonst oekologisch dufte sind. Er ist gut zwei Meter gross und faehrt einen gruenen VW-Kaefer. Wir werden uns wahrscheinlich auf Bach einschiessen.

Posted by Chefredaktion at 11:48 AM | Comments (0)

February 10, 2003

Futterneid und Tschechen-Bier

Fettnaepfchen lasse ich ungern aus. Am Samstag trat ich in ein besonders tiefes. Amber und ich waren nebst der gesamten Fakultaet der Kognitiven Psychologie zu einem privaten Essen im Hause eines ihrer Professoren eingeladen. So fanden wir uns also gegen sieben in dem schmucken Anwesen des Ehepaars Wallsten in einem Washingtoner Vorort, Silver Springs, ein. Nachdem ich mich meiner Jacke entledigt hatte, trat ich den Weg in die Kueche an, wo ein reichhaltiges Buffet aufgebaut worden war. Die Damen und Herren Akademiker standen in tiefsinnige Gespraeche vertieft um den Tisch und schluerften tschechisches Bier und franzoesischen Wein. Ich laechelte schuechtern in die Runde als ich den Raum betrat und nickte der versammelten Akademia freundlich zu. Um moeglichst energetisch daherzukommen schnappte ich mir schwungvoll einen Teller und wollte mir gerade eine gehoerige Portion Lasagne aufladen, als mich die Gastgeberin darauf aufmerksam machte, dass “wir das Dinner eigentlich noch nicht begonnen haben”. Mein Laecheln vereiste. Langsam stellte ich den Teller, der immer noch in meiner in Richtung Buffet ausgestreckten Hand ruhte, in die Ecke und stellte mich gleich daneben. Dann loeste ich mich in Luft auf.

Posted by Chefredaktion at 10:26 AM | Comments (0)