January 28, 2003

Der Dichter spricht

Heute abend um 21 Uhr unserer Zeit ist es soweit: Der Praesident der Vereinigten Staaten von Amerika haelt seine jaehrliche Rede zur Lage der Nation. Wir duerfen gespannt sein, alldieweil die Medien hier spekulieren, dass es vornehmlich um innerpolitische Fragen gehen wird, und nicht den Krieg gegen den Irak. Gespannt sein duerfen wir in diesem Zusammenhang auch auf eine gehemdienstliche Enthuellung der amerikanischen Chef-Spitzel, die in den nachsten Tagen handfeste Beweise fuer Iraks Besitz von Massenvernichtungswaffen herausruecken wollen. Derweil wird der Ton der Demokraten gegen Bush und seine Partei hier zunehmend schaerfer und der Rueckhalt fuer den Praesidenten schwindet.

Eins ist sicher: Die Berater haben George W. mit Sicherheit eine Rede aus dem Ei gepellt, die sich ueberzeugend anhoeren wird und in gewohnten Toenen an Tugend und Patriotismus appeliert. Jetzt muss er nur noch richtig ablesen. Bei letzterem sah man ihn heute in der Washington Post. Da wird jede Geste einstudiert und jeder Blick in die Kamera sorgsam geprobt. Dann darf die Nation und die Welt ja gespannt sein auf rhetorische Finessen und geistreiche Wortgewandtheiten. Oder auch nicht.

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January 24, 2003

Ideologisches zum Wochenende

Ein weiterer eiskalter Tag in D.C. So kalt haben es die Washingtoner im Winter schon lange nicht mehr gehabt. Mit Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt laesst sich ja noch leben, aber der eisige Wind, der hier neuerdings rund um die Uhr weht, ist schlicht brutal. Binnen Sekunden nach Verlassen der heimischen vier Waende fuehlt sich das Gesicht an wie eine alte, verfallene Mauer.

Politisch kalt geht es offensichtlich momentan in den transatlantischen aussenpolitischen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland zu. Waehrend die Washington Post sich bei der Berichterstattung recht bedeckt gibt, hatte CNN Achorman Wolf Blitzer gestern abend eine Ad-hoc Umfrage durchgefuehrt. Wie nicht anders zu erwarten waren die Ergebnisse auesserst extrem. Von „Unsere kriegstreiberischen Politiker sollten sich an Frankreich und Deutschland ein Beispiel nehmen“ bis hin zu „Wir Amerikaner sollten aus der NATO austreten. Das wuerde eine grosse Menge Steuergelder sparen. Frankreich und Deutschland sollen sich gefaelligst selbst verteidigen.“ war ein breites Spektrum ideologischer Ratschlaege vertreten. Wir werden sehen, was sich in den naechsten Tagen fuer eine Entwicklung entspinnt. Ich bin noch guter Hoffnung, dass es keinen Krieg gibt.

A propos ideologische Ratschlaege: Eine preasidialer Berater in Sachen AIDS musste heute seinen Hut nehmen. Er hatte im Zusammenhang mit der Bekaempfung von HIV von der „Schwulen-Pest“ gesprochen. In diesem Sinne: Schoenes Wochenende.

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January 21, 2003

Frodo hat versagt

Es ist passiert: Frodo Fischer und Samwise Schroeder haben den Ring an IHN verloren...

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January 17, 2003

Ein echter Amerikaner

Seit gestern bin ich ein echter Amerikaner. Dazu gehoeren naemlich vorrangig zwei Dinge. Ersterns: Ich verfuege ueber ein Konto bei der „Chevy Chase Bank“; inklusive eines Scheckblockes, mit dem die Amerikaner so gern bezahlen. Zweitens: Ich bin stolzer Besitzer einer „Blockbuster“-Videoverleih-Mitgliedskarte. Dem Mitarbeiter bei Blockbuster standen buchstaeblich die Traenen der Freude in den Augen, als er mich deutschen Staatsbuerger in sein System eintippte. Dazu muesse er, so der Gutgelaunte, das Computer-System wegen meiner Reisepassnummer – eigentlich wird eine amerikanische Fuehrerscheinnummer gefordert - ein wenig „zurechtbiegen“, doch fuer einen deutschen Kunden sei ihm das ein Vergnuegen. Immerhin sei er selbst zur Haelfte deutsch. Jedenfalls habe ihm das sein verstorbener Grossvater immer erzeahlt. Sogar bis zehn habe er einmal auf deutsch zaehlen koennen. Ich war ganz geruehrt. Er laminierte meine Mitgliedskarte sorgfaeltig und ueberreichte sie mir mit den Worten „Welcome to America“. Meine Unterlippe begann zu zittern und ich verspuerte eine dringendes Beduerfnis, den Pfundskerl herzlich an mich zu druecken. Wir lagen uns in den Armen wie zwei Brueder, die nach Jahrzehnten ein Wiedersehen feiern und weinten vor Glueckseligkeit. Morgen ziehe ich nach Texas.

Posted by Chefredaktion at 12:12 PM | Comments (0)

Telefonsystem kaputt

Fuer alle, die mich versuchen, telefonisch zu erreichen: Das Arnold'sche Telefonsystem ist im Moment in den Fritten (kaputt). Das fuehrt zu den abstrusesten Resultaten wenn man meine Nummer hier waehlt. Ich hoffe, in Kuerze ist alles wieder OK.

Posted by Chefredaktion at 11:43 AM | Comments (0)

January 16, 2003

Force Majeur bei American Express

Viele Vertraege ziert eine Klausel, die irgend etwas mit "Hoeherer Gewalt" zu tun hat. Unwetter und sonstige Naturkatastrophen sind normalerweise damit gemeint; eventuell noch Sabotage-Akte oder terroristische Anschlaege. Letztere haben naturgemaess nach dem elften September eine vorher ungeahnte Wichtigkeit bekommen. Alle moeglichen Firmen sichern sich nun mit solchen Klauseln gegen ploetzliche Verluste als Resultat solcherlei Schrecklichkeiten ab. Nun hat der Finanzdienstleister American Express seit Ende des verganenen Jahres eine neue Klause bei seinen Media-Partnern eingefuehrt: Die Kriegsklausel. Vor allem durch allgemeine Ausgaben-Einbrueche auf Seiten der Konsumenten hatte der Kreditkarten-Riese damals besonders unter Nachwirkungen der Anschlaege von New York und Washington zu leiden. Nun behaelt sich American Express bei seinen Media-Partnern vor, im Kriegsfalle alle gebuchten Anzeigenplaetze und Sendezeit stornieren zo koennen.

Posted by Chefredaktion at 10:24 AM | Comments (0)

January 13, 2003

Rumsfeld's Loesung (SNL)

In "Saturday Night Live", der Mutter aller Samstag-naechtlichen Shows, verriet ein gewisser Donald Rumsfeld wie die vermuteten Waffen im Irak endlich gefunden werden koennen: "Lassen wir sie uns doch selbst zu ihren Raketen fuehren. Wir werfen eine Menge Bomben ab und beobachten, wohin die Leute weglaufen."

Posted by Chefredaktion at 2:15 PM | Comments (0)

Angelsaechsische Wahrnehmungsverzerrung

Vorurteile sind immer unfair und nie nett. Besonders vernichtend faellt das Image der Amerikaner ueber unsere Britischen Nachbarn aus. Fuer eine Kampagne des hiesigen Ablegers der alt-ehrwuerdigen BBC suchen wir hier derzeit nach Bildmotiven, die sinnbildlich fuer englisches gesellschaftliches Leben stehen. Die konkrete Vorgabe dazu lautet: „Men in their late thirties, unemployed, ugly“. Zu deutsch: „Maenner in den end-dreissigern, arbeitslos, unansehnlich“. Das spricht Baende.
(Kennern der britischen Fernsehlandschaft faellt auf die Beschreibung nur eins ein: „Bottom“)

Posted by Chefredaktion at 12:06 PM | Comments (0)

January 10, 2003

Konsumdiktat und Prozesslawine

Der Rewe-Markt an der Dortmunder Moellerbruecke ist mir wohl vertraut. Samstag mittags trete ich oft den Weg dahin an um meine Vorraete aufzustocken. Im Eingangsbereich des Hauses, unmittelbar nach dem Drehkreuz, kaufe ich ueblicherweise meine Moehren, Blumenkohl und Gurken, sowie ein halbes Dutzend Braeburn Aepfel und einen Bund Weintrauben. Einige Meter weiter greife ich im Vorbeigehen ein Vollkornbrot und eine Packung Cornflakes oder Muesli. Weiter hinten im Supermarkt erstehe ich ein Stueck Gorgonzola, und an der Kuehltheke gegenueber packe ich eine handvoll Joughurts und Milch in den Wagen. So weit so gut.
Dass der Anordnung der Waren eine veritable Wissenschaft innewohnt, weiss ich. Und ich spiele das Spiel bereitwillig mit. Schliesslich ist man ein Gewohnheitstier. Ausserdem bleibt mir nichts anderes uebrig.

Um so schwieriger finde ich mich in meinem lokalen Supermarkt hier in Washington zurecht. Zum Ensetzen meines mitteleuropaeischen Supermarkt-Empfindens entbehrt die Ordnung dort scheinbar jeder Gesetzmaessigkeit. Scheinbar, denn wie ich beim letzten Besuch herausgefunden habe klaeren Schilder ueber den Gaengen die Einkaeufer darueber auf, was sie in den entsprechenden Regalen finden. Allerdings, und hier meldet sich der Soziologe in mir zu Wort, sind die Gueter nach Mahlzeiten geordnet. Es gibt also einen Gang “Breakfast”, einen “Lunch”, einen “Dinner” und was sich die Marketing-Strategen sonst noch fuer Konsumanlaesse fuer die Gaenge ausgedacht haben.
Was auf den ersten Blick jedoch als eine harmlose funktionale Segmentierung der Produktgruppen aussieht, ist in Wahrheit nichts als die unverbraemte Manifestierung unserer Unterjochung durch Konsumgewohnheiten. Denn wir bekommen sozusagen durch die Hintertuer Essgewohnheiten aufgezwaengt, die eventuell gar nicht unsere eigenen sind.

Nehmen wir zum Beispiel Honig. Honig befindet sich hier im Gang “Breakfast”. Nun, dass ich bisweilen meinen Nachmittags-Tee mit eben diesem Bienen-Auwurf zu suessen pflege, ist den Herren und Damen Regalverwaltern wohl noch nicht in den Sinn gekommen. Und auch dass ich gern nach einem bierreichen Abend in Washingtons Kneipen zu fortgeschrittener Stunde noch eine Dose Tomatensuppe aufmache – und nicht etwa nur zum “Lunch”, wie es das Regalschild der Dosensuppe fordert -, ist den Ess-Indoktrinatoren offenbar relativ egal.

Ich fuehle mich in die Irre gefuehrt, getaeuscht, bedroht.

Morgen werde ich die Supermarktleitung zu verklagen. Auf Schmerzensgeld. In Hoehe von - sagen wir - zweihunderteinundreissig Millionen Dollar.

Posted by Chefredaktion at 5:45 PM | Comments (1)

January 7, 2003

Doppelt gemoppelt schiesst besser

In den letzten Wochen bietet die Washington Post, meine allmorgendliche U-Bahn Lektuere, interessante Ueberschriften-Akrobatik. Auf mittlerweile ungefaehr 247 Art und Weisen druckt das Blatt Tag fuer Tag ein und dieselbe Botschaft, die thematisch alle in etwa um die Aussagen: "Wir sind bereit fuer den Krieg", "Saddam soll nur kommen", "Wir sind bereit fuer den Krieg. Und die Briten auch.", "Saddam soll nur kommen. Und der Dingsda Bumsda Il auch." kreisen. Aus diesem Grunde boykottiere ich neuerdings die Titelseite, auf der solcherlei Mager-News vorzugsweise zu finden sind und wende mich sofort dem Innenteil zu. Dort gibt's dann die restlichen Bush-Visagen in allen moeglichen Gesichtsausdruecken zu sehen. Vor ein paar Tagen sahen wir Ihn zum Beispiel weinend in Armee-Uniform. Seine waffentragenden Armee-Kumpels um ihn herum hatten ein Soldatenlied angestimmt, was unseren nah am Wasser gebauten George zu Traenen der Ruehrung hinriss.
Auf Seite A4 zeigt er sich heute in kampfstarker Geste, was die Durchsetzung seiner neuen steuerpolitischen Plaene angeht. Inmitten seiner Steuer-Experten Donald Rumsfeld und Colin Powell, die sich uebrigens auch vorzueglich in Fragen der Aussen- und Sicherheitspolitik auskennen, macht er eine herrische Geste und scheint zu sagen "So machen wir's" und "Da geht's lang".
In Wahrheit, darueber klaert uns die Bildunterschrift auf, muss er worgewaltig befunden haben "It's a ... very fair plan". Zu deutsch: "Es ist ein ... sehr schoener Plan".

Posted by Chefredaktion at 2:28 PM | Comments (0)

January 6, 2003

Entertainment ist relativ

Das Wochenende war aeusserst interessant. Jedenfalls kalligraphisch gesehen. Meine “Formal Italic” – Schrift habe ich weiter perfektioniert, wobei “perfektioniert” eigentlich das falsche Wort ist. “Geuebt”, waere wahrscheinlich besser. Naja, jedenfalls ist das ganze Unterfangen mittlerweile aus der frustrierenden Phase rausgewachsen und ich sehe Fortschritte. Als naechstes werde ich mich an das Studium einer Unzial-Schrift machen, fuer alle, denen an meinen typographischen Fortschritten etwas liegt.

Ansonsten ist in den letzten Tagen wenig passiert. Ich habe mein Schlafdefizit, das ich seit Sylvester mit mir herumtrage weitgehend ausgeglichen.

Hm. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, auf solche Tagebuch-Eintraege eher zu verzichten. Sorry an mich. Kommt hoffentlich nicht mehr vor. Das will ich auch hoffen. Aha. Aber… Nichts aber. Du sollst nachdenken, bevor Du … Lass mich doch mal ausreden…

Posted by Chefredaktion at 3:02 PM | Comments (0)

January 3, 2003

Aua!

Die Mittagspause ist vorbei. Meine Schulter ist ganz wund.

Posted by Chefredaktion at 1:49 PM | Comments (0)

Zwei auf einen Streich

Nach der gestrigen Konfusion in Sachen Bilder fuer die Kampagne des Verkehrsministeriums ist mir ein kleiner Coup geglueckt. Ich habe zwei sehr geeignete Bilder aufgetrieben, eine extra hohe Comp-Auloesung vom Stock-Haus erhalten koennen und ein durchaus akzeptables Angebot bei gleichzeitig exorbitanten Lizenzzugestaendnissen verhandelt. Die Mittagspause werde ich damit verbringen, mir auf die Schulter zu klopfen.

Posted by Chefredaktion at 11:40 AM | Comments (0)

Neues vom Elefantenball

Je aelter der Tag, desto interessanter die Meetings. So auch gestern abend. Da hatte ich das Vergnuegen einer Telefonkonferenz mit dem Kunden Bearing Point (ehemals KPMG) beizuwohnen. Auf Seiten von Arnold waren der President, ein Creative Direktor und ein Account Direktor beteiligt, auf Seiten des Kunden waren keine geringere als die Chief Marketing Officerin und eine ihrer Mitarbeiterinnen an der Strippe. Zusammenkunft der Elefanten, also. Und ich mit gespitzten Oehrchen mittendrin.
Der Inhalt des Gespraechs ist selbstverstaendlich absolut vertraulich und nicht fuer diese Plattform bestimmt. Der Lerngewinn, den ich in dieser knappen Stunde erfahren habe, ist allerdings durchaus publizierbar, obschon gleichermassen nicht fuer diese Plattform geeignet; jedoch aus quantitativen Gruenden. Will sagen: Das war spannender als jeder Krimi und lehrreicher als die Bibel.

Posted by Chefredaktion at 11:11 AM | Comments (0)

January 2, 2003

Unstimmigkeiten im Dienste des Guten

Was fuer ein Ducheinander! Fuer das amerikanische Verkehrsministerium stricken wir zur Zeit eine Pro Bono Kampagne, die fuer umsichtiges Autofahren in der Naehe von LKW wirbt. Fuer die Kreation benoetigen wir dazu ein Bild von einem Unfall zwischen Vertretern genau dieser beiden Vehikel: Auto und LKW. Die Suche nach einem solchen Motiv stellt sich jedoch als aeusserst kompliziert heraus, da die Bilder, die der Art Direktor aussucht, von der Account Managerin abgelehnt werden. Und das, als die Preisverhandlungen und die Recherche nach Bildrechten (die in den Faellen der ausgesuchten Motive recht schwierig sind) schon sehr weit fortgeschritten sind. Das kommt davon wenn man sich im Buero einzig und allein durch Email austauscht, anstatt sich einmal ordentlich zusammenzusetzen.

Posted by Chefredaktion at 5:36 PM | Comments (0)

Jetzt aber

Alle, die bislang Probleme hatte, diese Seite ohne Scrollbalken zu sehen, duerften jetzt nicht mehr scrollen muessen. Dummerweise hatte ich die ganze Zeit an dem falschen Stylesheet herumgeschraubt.
Bitte sagt, kurz Bescheid, ob jetzt alles in Ordnung ist.

Posted by Chefredaktion at 12:19 PM | Comments (3)

Logenplaetze in der U-Bahn

Jeden Tag werfe ich der Washingtoner U-Bahn etwa 6 Dollar in den Rachen, damit sie mich von Takoma Park nach West Falls Church transportiert. Um diese taeglichen Transportkosten zu optimieren, schliesslich bin ich BWL-Student, habe ich beschlossen, endlich einen Wochenpass fuer 25 Dollar zu erwerben, mit dem ich die ganze Woche nach Herzenslust durch die Gegend fahren kann. Vor dem Fahrkartenautomat aenderte ich jedoch aus Gruenden fehlender Liquiditaet kurzfristig meine Strategie und fuetterte die Maschine mit fuenf Dollars, worauf sie mir einen Tagespass ausspuckte. Als ich selbigen durch die Eingans-Automatik fuehren will, die mir Eintritt in das U-bahnnetz gewaehrt, versagt das eben erstandende Teil prompt seinen Dienst und weist mich mit gruenen LCD-Buchstaben an, mich an den Bahnhofs-Aufseher zu wenden. Auch nach dem vierten Versuch hatte ich kein Glueck und beschloss, dem weisen Rat der Maschine folge zu leisten.
Der Bahnhofsaufseher residiert in einer kleinen Bude unmittelbar neben den Ubahn-Eingangs-Automaten und schien mich bereits erwartet zu haben als ich fragend vor sein Fensterchen trat und meinen nagelneuen Tagespass an die Scheibe drueckte. Statt mir den Sachverhalt zu erklaeren klopfte er nur teilnahmslos von innen an ein Schild, das die Reisenden darueber aufklaert, dass Tagespaesse nur ab 9:30 benutzbar sind. Hm. Nun hatte ich also weder ein Ticket noch Kleingeld fuer ein neues Ticket. In Gedanken spielte ich schon durch, wieviel zu spaet ich zur Arbeit kommen wuerde wenn ich nun zuerst wieder nach Hause gehen muesste um dort einige Dollarscheinchen zu bunkern, da hatte der Aufseher Mitleid mit mir und stellte mir ein kostenloses handgeschriebenes Spezialticket aus. Fazit: Wirf alles Gelernte in BWL ueber den Haufen.

Posted by Chefredaktion at 10:50 AM | Comments (0)

January 1, 2003

Sicherheit und Dosenguiness

Das neue Jahr begann mit Whisky, Guiness und Sekt. Und Kopfschmerz. Dennoch – oder vielleicht deswegen – war die Festivitaet durchaus eine unterhaltsame Angelegenheit. Mein Freund Chris wohnt downtown in einer Gegend namens „Eastern Market“, einen Steinwurf vom Capitol Building entfernt. In windeseile hatte er flugs die kulinarischen Weichen fuer ein entspanntes Shindig in seiner Wohnung gestellt; was mir eine sehr willkommene Art war, das neue Jahr einzulaeuten. Und eine ungewohnte dazu. Denn waehrend es in Deutschland Usus ist, nach dem Anstossen um zwoelf auf die Strasse zu eilen und allerlei Feuerwerk in die Luft fliegen zu sehen, so schwiegen hier in diesem Jahr die Knaller und Raketen. Und so ganz ohne Feuerwerk ist Sylvester schon etwas gewoehnungsbeduerftig, wenn ihr mich fragt. Sogar das offizielle Boellern am Washington Monument hatte man abgesagt. „Aus Sicherheitsgruenden“, wie die Lautsprecher umherfahrender Polizeifahrzeuge verlautbarten. Nicht einmal Donald Rumsfeld zeigte sich auf dem Balkon des Parlementsgebaeude und liess es so richtig rumsen. (Diesen Kalauer habe ich mir eigens fuer diesen Anlass aufbewahrt!). Wie dem auch sie. Ob wir an jener fruehlingswarmen Neujahrsnacht einer nuklearen Katasprophe entgangen sind, werden wir wohl nie erfahren. In diesem Sinne: Frohes Neues!

Posted by Chefredaktion at 10:26 AM | Comments (1)