June 28, 2008
Mit Gott auf uns’rer Seite
John Stewart von der Daily Show nahm diese Woche den prominenten amerikanischen Super-Christen James Dobson auf’s Korn. Der gute Mann gruendete vor ein paar Jahrzehnten die Stiftung Focus on the Family, die sich, ganz in der zuechtigen evangelikanischen Tradition, dem Kampf gegen die Ketzereien des Alltags verschrieben hat.
Als saekulare Durchschnitts-Europaeer sind wir seit jeher fasziniert von der sonderbaren Welt der Evangelikalen. Angeblich haben die strengglaeubigen die Praesidentschaftswahlen 2000 und 2004 fuer George W. Bush entschieden. Also bedarf die Gedankenwelt der sauber gescheitelten, unsere Ansicht nach, einer etwas genaueren Betrachtung.
Die Themen, die einen ordentlichen Evangelikalen hier zur Weissglut treiben lassen sich auf eine Handvoll reduzieren, und die Kirchenfuehrer lassen keine Gelegenheit aus, sie ihrer Herde immer wieder vorzubeten: Das alltaegliche Bombardment rechtschaffener Buerger mit Pornos durch die Massenmedien, die rapide um sich greifende Verschwulung der Gesellschaft, und das blutige Geschaeft mit der Abtreibung.
Zum letzteren Thema gibt es in der Amerikanischen Gesellschaft, wie wohl auch in Deutschland, zwei Sichtweisen. Die eine, “Pro Choice”, besagt dass Frauen die Wahl haben sollten ihre Schwangerschaft vorzeitig zu beenden. Die andere ist “Pro Life,” (uebersetzt “Pro Leben”), wonach Schwangerschaftsabbrueche grundsaetzlich illegal sein sollten und ohnehin ein Schwelen in den ewigen Feuern der Hoelle nach sich ziehen.
Nach dem Genuss von John Stewarts Dobson-Witzen liessen wir uns heute dazu hinreissen, die Web Site des Gotteskriegers zu besuchen — und kamen aus dem Lachen nicht heraus.
Unseren des Englischen maechtigen Lesern moechten wir eine Stippvisite bei www.focusonthefamily.com dringend ans Herz legen. Hier ein paar Appetit-Haeppchen:
Da gibt es zum Beispiel das Stiftungseigene Magazin Citizen, das versucht mit “positiven christlichen Themen” Licht in das gottlose Dunkel unseres Zeitgeistes zu scheinen. Die Redakteure machen mit den folgenden Titelblaettern subtil deutlich, auf wessen Seite sie politisch stehen.
(Fuer unsere nicht-englischsprachigen Leser: Das linke Titelblatt zeigt den Leibhaftigen mit der Unterschrift “Ja, wir koennen . . . abtreiben” in Anlehnung an Luzifers Wahlkampfspruch “Yes we can”. Auf dem rechten Titel kuesst der Herrgott einen Saeuglingskopf, und die Unterschrit lautet “Wahrhaftig Pro Leben”.)
Wer noch ein wenig weiter auf der Seite herumstoebert stoesst auf den Jugend-Bestseller-Artikel “Wenn Gott mich liebt, warum geht’s mir so dreckig?”. Ausserdem immer wieder gern gelesen, Dobson’s Essay “Zwei Mamas ist eine zu viel”, erschienen im Dezember 2006 im Time Magazine.
Wir haben uns jedenfalls von der Web Site das “Himmlische Harmonie” Karaoke-Set bestellt — eine lustige Art fuer die Jugend von heute, christliche Gesaenge und Weihnachtslieder zu lernen.
Ein bischen Spass muss sein.
Posted by Chefredaktion at June 28, 2008 10:33 PM