September 2, 2004

Mit Gott, Waffen und importiertem Stahl

Da sind sie wieder, die “USA über alles” Kampfesrufe, die eigentlich durch die andauernden Kämpfe im Irak und die schlechte Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage zumindest ein wenig leiser hätten ausfallen sollen.

Aber nein, auf dem Republikanischen Parteitag in New York pflegt man wieder mit stolzgeschwellter Brust das Krähen darüber, daß um uns herum allerort Bedrohung herrscht, daß den Amerikanern niemand ihre Kriege verbieten kann, daß die Europäer ein feiges Pack sind, und daß George W. Bush der einzige Präsident mit Mumm ist.

Die Strategie ist nicht neu: Der elfte September wird in seiner ganzen Grausamkeit wieder heraufbeschworen, bis auch der letzte sich die Tränen von den Wangen wischt und anschliessend die Faust kampfeslustig in die Höhe streckt und nach Rache schreit. Mitgefühl und Patriotismus sind eben ohne Zweifel rein republikanische Werte.

Innenpolitisches Tagesgeschäft ist unerwünscht. Es geht um Kraft, Kampf und Tugend. (Für sich aufdrängende historische Vergleiche sind in Deutschland schon mehr als ein Politiker geschasst worden.) Trotzig stemmen die Redner das angeknackste Zelt des Heile-Welt-Amerika wieder in die Höhe. Dabei sparen sie nicht mit Verunglimpfungen des Gegenkandidaten, den sie höhnisch “Friedenspräsident” oder “Fähnchen im Wind” nennen. Und wer es wagt, die aktuelle Wirtschaftslage nicht als super einzustufen, der ist ein griesgrämiger Pessimist, der den American Dream nicht verstanden hat. Oder, wie Action-Held und “Gouvernator” Schwarzenegger es nennt, ein “Economic Girlieman”.

Und dann ist da noch die Religion. Aus der Rednerliste hatten die Strategen zwar wohlweislich den religiösen rechten Flügel der Partei herausgehalten, doch Gott ist trotzdem mitten unter uns. Oder besser gesagt: Auf der Seite von George W Bush. Der Demokratische [sic!] Senator von Georgia, Zell Miller, der seine Partei verließ um im Madison Square Garden eine Laudatio für die Wiederwahl des Präsidenten zu verlesen, erinnert sich, wie er Bush junior zum ersten Mal begegnete:

“Ich klopfte an die Tür der Seele dieses Mannes und fand jemanden zu Hause; einen Gottes-fürchtigen Mann mit einem guten Herz und einem Rückgrat aus gehärtetem Stahl.”

Wir vermuten: Stahl, made in Korea.

Posted by Chefredaktion at September 2, 2004 12:37 PM
Comments

gruess gott,

Posted by: gruenert on September 7, 2004 4:55 PM
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