April 7, 2004
Fototermin bei Frühlingswetter
Es wird Frühling in DC. Endlich. Als ich schon begann zu glauben, es wird gleich wieder Herbst, kommt die Sonne raus und es wird wärmer. Vor allem die Besucher des alljährlichen Cherry Blossom Festival wird’s freuen. Und die kommen dieser Tage zu Trillionen in die Haupstadt. Busseweise werden Familien aus Kentucky, West Virgina oder Arkansas angekarrt, um an den Kirschblüten des Tidal Basin vorbei zu flanieren, durch die Smithsonian Museums zu hetzen oder um Onkel Fred mit Tante Sheila vor dem Capitol zu knipsen. Erkennen kann man die “Out-of-Towners” übrigens vor allem an ihrer Unfähigkeit, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.
Das korrekte einführen des Ubahn-Tickets in die Eingangssperren bereitet dem Metro-Greenhorn erfahrungsgemäss die meisten Schwierigkeiten. Mehr als einmal habe ich mich für ganze Familien als Lotse bereiterklärt, nur um der sich bildenden Menschenschlange vor dem Eingang einigermassen Herr zu werden. Der Familienvater, der immer als letzter durchgeht, dankt mir dann immer überschwenglich und raunt mir zu You see, we are not from around here.
Und ich lächle ihn an und sage I didn’t think so. Welcome to DC, where the cherry blossoms are pink, the alerts are orange, and the …
. An dieser Stelle gehen mir stets die Allegorien aus und ich laufe schnell weiter.
Wo war ich? Ach ja, endlich ist der Himmel mal wieder blau. So spazieren Amber und ich also über die National Mall - unter besagtem blauen Himmel - als mich ein Donnern den genau selbigen genauer betrachten lässt. Dass ich mir die Augen mehrfach reibe, ändert an dem folgenden Tatbestand nichts: Zwei Passagierflugzeuge fliegen da in aller Seelenruhe über die Flugverbotszone Washington. Oh! Die Apocalypse, The three Horsemen, Armaggeddon
. Will ich gerade denken, als sich zwei Kampfjets wie aus dem Nichts mit einem Trudelmanöver hinter die beiden fliegenden Bomben hängen. Juhuu! Gebt’s ihnen, Jungs
Fünf Sekunden später ist der Spuk vorbei. Die Flugzeuge verschwinden am Horizont. Ich ziehe die Schultern hoch und warte auf eine Detonation, womöglich nuklearen Ausmasses. Hunger packt uns. Wir erwerben einen Hot-Dog.
Heute morgen die Auflösungen des Endzeit-Spektakels in der Washington Post: Die Nationalgarde fühlte sich durch das schöne Wetter bemüßigt, einen Werbefilm zu drehen, um mehr Soldaten und Kampfpiloten anzuheuern.
Morgen schreibe ich mich ein.
Posted by Chefredaktion at April 7, 2004 9:45 AM