July 18, 2003

Die vier Bordkarten

In meiner linken Gesaesstasche habe ich vier Bordkarten. Frankfurt - Kopenhagen - Washington - Kopenhagen - Frankfurt. Alle vier habe ich in den letzten vierundzwanzig Stunden gebraucht. Mein Aufenthalt in D.C. dauerte gerade mal drei Stunden und war schlicht ein Alptraum.

Gerade mal einen Tag hatte ich mit meiner jetzigen Frau Amber nach unserer Hochzeit in den USA verbracht, da flog ich am 27. Juni nach Deutschland um dort langsam aber sicher meine Zelte abzubrechen. Nachdem ich also meine Wohnung in Dortmund aufgeloest hatte und einige andere Formalitaeten erledigt hatte stieg ich am 17. Juli voller Vorfreude in einen Flieger nach Kopenhagen, um von dort nach Washington zu gelangen.

Beim Gang durch die Einreisetheken in Washington sah sich die Beamtin kurz meine Papiere an, die ich ihr ausfuehrlich erklaert und uebersichtlich ausgebreitet hatte. Dann packte sie alle Dokumente in einen roten Umschlag und wies mich an, selbigen fuer eine weitere Inspektion in ein Hinterzimmer zu bringen. Dort gab ich den Umschlag an der Theke ab, hinter der drei weitere INS-Beamten ihren Dienst versahen, und setzte mich zum Warten zu den anderen Leuten aller moeglichen Nationalitaeten.

Nach ein paar Minuten nahm sich einer der Beamten meines Umschlages an und studierte kurz meine Papiere. Dann rief er mich auf und ich trottete zum Tresen. “Nun, Mr. Sprenger, sie werden heute nicht in die USA einreisen. Ihr Visum ist nicht mehr gueltig”, war sein erster Satz. Ich glaubte, mich verhoert zu haben. Er fuhr fort: “Wenn Sie Glueck habe und jetzt alles ganz schnell geht, erwischen Sie die gleiche Maschine wieder zurueck, mit der Sie gekommen sind. Da ist die letzte, die heute noch zuerueck nach Kopenhagen geht. Andernfalls werden Sie die Nacht hier in unserer Zelle verbringen muessen.” Ich hatte mich nicht verhoert.

“Meine Frau wartet draussen auf mich. Ich moechte sie sehen.”
“Sie koennen Ihre Frau nicht sehen. Allenfalls kurz mit ihr telefonieren.”

Ich wurde fotografiert, meine Fingerabdruecke wurden genommen, ich wurde verhoert, meine Dokumente wurden beschlagnahmt. Gegen 17:00 Ortszeit brachte mich eine Eskorte von zwei INS-Beamten zum Flugzeug, das ich so erwartungsvoll vor ein paar Stunden erst verlassen hatte. Sie ueberreichten meine beschlagnahmten Dokumente dem Chefstewart mit der Order, mir selbige erst wieder auszuhaendigen, wenn wir in Kopenhagen gelandet seien. Das sind wir jetzt. Eben habe ich bei meinen Eltern angerufen, wann ich in Frankfurt ankomme. Ich bin absolut platt.

Posted by Chefredaktion at July 18, 2003 12:13 PM
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