February 13, 2003

Notstand nach Feierabend

Es ist kurz vor halb vier. Meine Laune ist gut. Nachmittaeglicher Kaffe dampft neben mir und ich genehmige mir fuenf Minuten um die neusten Nachrichten auf Spiegel.de zu studieren. Das Telefon klingelt. Am anderen Ender der Leitung meldet sich eine schnarrende Stimme namens Kevin. Kevin ist meine Kontaktperson beim Washington Post Magazin. Kevin ist gar nicht gut aufgelegt. Das Anzeigenmaterial, das wir ihm zugeschickt hatten, ist falsch proportioniert und its zu gross fuer die gebuchte 2/3 Seite. Einsendeschluss fuer die Anzeige war eigentlich heute morgen um 11.00. Ich sage Kevin, dass wir ihm die neue Anzeige gleich zuschicken. Nach kurzer Ruecksprache mit dem Studio - das sind die Leute, die die Anzeigen letztendlich aufbereiten - wird klar: Wir koennen die Anzeige in der gebotenen Eile nicht mehr an die richtige Groesse anpassen. Scheisse. Vor meinem geistigen Auge ziehen Bilder von einer gaehnend leeren Seite im Washington Post Magazine vorbei, wo eigentlich unsere Anzeite fuer den Kunden Colonial Williamsburg haette stehen sollen. Jemand hatte die rettende Idee, eine baugleiche Anzeige der richtigen Groesse, die eigentlich in zwei anderen Publikationen erscheinen soll, zu recyclen. Super. Ich rufe jemanden aus dem Account-Team an, und beschreibe die brenzlige Situation. Wir brauchen deren Unterschrift, damit auch sichergestellt ist, dass Telefonnummern, Preise und Datumsangaben in der Anzeige stimmen. Die Leute aus dem Studio teilen mir mit, dass – obgleich die Idee mit der recycleten Anzeige uns Zeit gewinnt – das ganze erst in etwa drei Stunden ueber die Buehne gehen kann. Es ist gleich sechs. Ich rufe Kevin an und saeusele etwas von “in etwa einer Stunde sind die Sachen bei Euch” in den Hoerer. Ich muss saeuseln, da Kevin nach Hause gehen will und sich schoenere Sachen vorstellen kann, als auf unsere Anzeige zu warten. Wir berufen eine Dauer-Telefonkonferenz mit unserem Imaging-Lieferant ein, der die Daten schlussendlich fuer uns fertigmacht. Zur Kontrolle schicken die uns ein PDF der Anzeige. Jemand aus der Kreation entdeckt einige grobe typografische Schnitzer. Ursachenforschung beginnt. Es ist gleich halb acht. Ich rufe Kevin an. Kevin ist nicht mehr da. Ich werde blass. Jemand aus der Media-Abteilung hat die Privatnummer unserer Verkaufsagentin fuer die Washington Post. Unser Produktionsmanager ruft bei der Dame zu Hause an. Die Dame ist sehr nett. Sie sagt uns, dass alles in Ordnung sein wird und sie mit einer anderen Anzeige weit mehr Probleme haben. Uns fallen Steine vom Herzen. Es ist gleich halb zehn. Schwein gehabt. Feierabend.

Posted by Chefredaktion at February 13, 2003 11:41 AM
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