January 28, 2003
Der Dichter spricht
Heute abend um 21 Uhr unserer Zeit ist es soweit: Der Praesident der Vereinigten Staaten von Amerika haelt seine jaehrliche Rede zur Lage der Nation. Wir duerfen gespannt sein, alldieweil die Medien hier spekulieren, dass es vornehmlich um innerpolitische Fragen gehen wird, und nicht den Krieg gegen den Irak. Gespannt sein duerfen wir in diesem Zusammenhang auch auf eine gehemdienstliche Enthuellung der amerikanischen Chef-Spitzel, die in den nachsten Tagen handfeste Beweise fuer Iraks Besitz von Massenvernichtungswaffen herausruecken wollen. Derweil wird der Ton der Demokraten gegen Bush und seine Partei hier zunehmend schaerfer und der Rueckhalt fuer den Praesidenten schwindet.
Eins ist sicher: Die Berater haben George W. mit Sicherheit eine Rede aus dem Ei gepellt, die sich ueberzeugend anhoeren wird und in gewohnten Toenen an Tugend und Patriotismus appeliert. Jetzt muss er nur noch richtig ablesen. Bei letzterem sah man ihn heute in der Washington Post. Da wird jede Geste einstudiert und jeder Blick in die Kamera sorgsam geprobt. Dann darf die Nation und die Welt ja gespannt sein auf rhetorische Finessen und geistreiche Wortgewandtheiten. Oder auch nicht.
Posted by Chefredaktion at January 28, 2003 5:06 PM